Konzeption & Text. Sandra Cremer



Cats, Sex and Nazis

10. September 2018

Oder was Facebook löschenswert findet und was nicht. Als ich vor einigen Tagen anlässlich des Todes von Burt Reynolds sein weltbekanntes Cosmopolitan-Centerfold gepostet habe, wurde dieses direkt einkassiert – wegen Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards. Selbst ein Geschlechtsteil, das man nicht sehen kann, ist also bereits anstößig. Als ich klein war, fand meine Mutter nichts Schlimmes daran, dieses Poster im Hobbyraum aufzuhängen. Laut Facebook hat sie mir damit wohl einen bleibenden Schaden zugefügt. Hätte sie allerdings gewaltverherrlichende Nazi-Poster aufgehängt, wäre das völlig okay gewesen. Denn schließlich verstoßen entsprechende Facebook-Posts nicht den Gemeinschaftsstandards. Zumindest wurde mir das auf meine Meldungen hin schon zigfach mitgeteilt. Weil diese aber nicht meinen Standards entsprechen, werde ich wohl nur noch Katzenbilder posten. Da kann man nichts falsch machen …

Wunderliche Wetterverwirrung

30. Juli 2018

Es ist ja immer wieder Anlass zur Häme, wenn die Leute sich über das Wetter beklagen. Es wird gestöhnt, dass es zu heiß/zu kalt ist. Es wird gestöhnt, dass es regnet/schneit. Es wird gestöhnt, dass es nicht aufhört zu regnen/zu schneien etc.

Ich persönlich bin nicht so sehr der Beklager/Stöhner, sondern eher der Verdränger/Verdreher. Scheint drei Tage die Sonne, denke ich, dass seit Wochen super Wetter ist. Regnet es drei Tage, denke ich, dass es schon seit Ewigkeiten schüttet. Auch meine Erinnerung an das Wetter der Vorjahre ist oft verzerrt. Da werden aus einem fantastischen Sommer nasskalte Regenmonate (weil an meinem Geburtstag schlechtes Wetter war). Aus dem nahezu schneelosen Winter wird ein weißes Inferno (weil ich dreimal Schneeschippen musste).

Mir ist schon der Gedanke gekommen, ob sich diese „Klitterung“ auch in anderen Lebensbereichen findet. Geld, Gesundheit, Familie, Beziehung usw. Ich habe diesen Gedanken nicht weiterverfolgt. Das war mir dann doch zu heikel …

Meine Selbständigkeit wird erwachsen

23. Juli 2018

Ich habe mich im Jahr 2000 selbständig gemacht. Also vor 18 Jahren. Und ich muss sagen, dass ich es keinen Tag bereut habe. Man muss natürlich mit einer gewissen Unsicherheit leben, wenn man kein festes Einkommen hat. Aber die Vorteile überwiegen doch bei weitem: Ich kann mir meine Arbeitszeit frei einteilen, ich kann (was zum Glück sehr selten vorkommt) einen Job ablehnen, der mir als moralisch fragwürdig erscheint, und vor allem habe ich sehr viel Abwechslung.

Heute will ich einmal erzählen, wie alles angefangen hat: Nach gut 3,5 Jahren in einer Agentur realisierte ich, dass ich dort nicht weiterkommen würde. Ich hatte in dem Laden eine tolle Zeit mit supernetten Kollegen, aber mir reichte es einfach. Darum nahm ich eine Stelle als Text-CD in einer Münchner Agentur an. Dort war es allerdings (chefbedingt) so furchtbar, dass ich noch in der Probezeit aufhörte. Der Name der Agentur spielt keine Rolle. Sie erscheint nicht in meiner Vita und außerdem gibt es sie inzwischen nicht mehr (Oh, Wunder!). Mit einigen der Kurzzeit-Kollegen habe ich aber heute immer noch guten Kontakt.

Meine beste Freundin und Grafikkollegin hatte zur selben Zeit wie ich bei meiner Ex-Ex-Agentur gekündigt und sich selbständig gemacht. Da wir immer sehr gut und sehr gerne zusammengearbeitet hatten, lag der Gedanke nahe, sich als freies Grafik-Text-Team aufzustellen. Wir legten einen grandiosen Start hin. Zuerst arbeiteten wir bei meiner Freundin zuhause. Doch schon nach kurzer Zeit konnten wir uns ein (etwas überdimensioniertes) Büro leisten. Da die Agentur, in der wir beide gearbeitet hatten, fast ausschließlich IT-Kunden betreute, ging es natürlich entsprechend weiter. Leider erwischten uns dadurch die Auswirkungen des Platzens der Dotcom-Blase mit voller Wucht. Wir waren gezwungen, in völlig neuen Branchen zu akquirieren. Dies erwies sich im Nachhinein betrachtet als Glücksfall. Denn eigentlich war es nicht besonders spannend, die x-te IT-Firma zu betreuen. Aus diesem Grund habe ich heute Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen, was einfach mehr Spaß macht.

Aus unserer „Mini-Agentur“ stieg ich nach zwei Jahren aus privaten Gründen aus. Die Freundschaft besteht aber heute noch. Zeitweise startete ich einen neuen Versuch als Grafik-Text-Team mit meinem damaligen Lebenspartner. Nur so viel dazu: Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass man nicht mit seinem Partner zusammen arbeiten sollte ;-) Seit 2007 bin ich also als „beruflicher Single“ unterwegs, was mir persönlich die liebste Variante ist. So kann man wirklich alle Freiheiten des Freelancer-Daseins genießen, ohne auf jemand anders Rücksicht nehmen zu müssen. Trotzdem denke ich gerne an die Zeit als Mini-Agentur zurück. Sie war sehr spannend. Aber auch anstrengend. Denn damals war für uns jeder Änderungswunsch des Kunden ein absolutes Drama. Wir kämpften wie die Löwinnen für unsere Werke, weil sie ja in unseren Augen die beste Lösung waren. Heute sehe ich das deutlich entspannter. Ich weise zwar noch darauf hin, wenn ich etwas nicht sinnvoll finde, aber nicht mit dieser Vehemenz. Und schon gar nicht fasse ich Korrekturen als persönlichen Affront auf. Man muss sich einfach daran gewöhnen, dass nicht jeder so tickt, wie man selbst. Und dass so mancher junge Ansprechpartner selber seine (schlechten) Erfahrungen machen muss. Wobei es nicht nur die Jüngeren sind, die sich mitunter als beratungsresistent erweisen. So kann es eben auch passieren, dass ich mir denke: Lieber Kunde, du möchtest also unbedingt Mist? Dann bekommst du Mist. Allerdings 1a, versteht sich. Sei‘s drum. Diese Kunden bleiben ohnehin nicht lange (auf dem Markt) …

Sandras kleine Texterschule Teil 4

13. Juni 2018

– Prokrastination erlaubt –

Liest man Artikel zum Thema Prokrastination, könnte man meinen, sie wäre ein Produktivitätskiller. Stimmt aber nicht. Wenn du an einem Text sitzt und gerade eine fiese Schreibblockade hast, hilft es dir rein gar nichts, auf den Bildschirm zu starren und dir das Hirn zu zermartern. Steh auf, putz das Bad, lies einen Artikel, ruf jemand an oder sortiere deine Socken. Das kostet zwar Zeit, doch es entspannt dich und bringt dich auf neue Gedanken. Wenn du dann wieder am Schreibtisch sitzt, dann flutscht es. Falls nicht, fällt dir sicher noch etwas ein, das du gerade ganz dringend tun wolltest …

Sandras kleine Texterschule Teil 3

6. Juni 2018

– Money money money –

Dieser Tipp gilt wieder für alle Freelancer: Traut euch, euer Geld einzutreiben! Wenn ein Kunde nicht rechtzeitig zahlt, solltet ihr ihn zeitnah (freundlich) darauf aufmerksam machen. Seitens des Kunden steckt meist kein böser Wille dahinter. Er wird euch eine nette Erinnerung also nicht krumm nehmen.

Da gibt es diejenigen, die einfach das Zahlungsziel nicht auf dem Schirm hatten. Andere wiederum haben die Rechnung nicht gesehen. Und mir ist es sogar schon passiert, dass der Kunde schon längst überwiesen hatte und das Geld auf einem „Verwahrungskonto“ gelandet ist. Will heißen, der Kunde hatte meine Bankverbindung nicht richtig angegeben und die Bank hat das Geld einfach einbehalten. Natürlich ohne jemanden davon in Kenntnis zu setzen. Was in meinen Augen fast schon kriminell ist. Aber wer legt sich schon mit einer Bank an, noch dazu wenn es nicht die eigene ist? Dann gibt es noch (zum Glück selten) die Leute, die einfach nicht zahlen wollen. Meist weil sie selber gerade klamm sind. Und wer am wenigsten Druck macht, bekommt sein Geld natürlich als letzter …

So oder so: Es steht euch zu, für eure Leistung fristgerecht bezahlt zu werden. Zumal eure eigene Arbeit meist schon seit einiger Zeit abgeschlossen ist, bevor ihr überhaupt die Rechnung stellen könnt.

 

Depperts Scheiß Glump Verreckts Ordnung

20. Mai 2018

Man kommt dem Thema DSGVO nicht aus und wenn man sich noch so sperrt. Immer wieder lese ich, dass ich als Freelancer genauso betroffen bin. Aber was für mich denn nun genau zu tun ist, das findet sich leider nirgends. Alle Artikel (sofern sie Freelancer überhaupt erwähnen) sind mehr als vage.

Eigentlich beschleicht einen das Gefühl, dass da kein Mensch so richtig durchblickt. Doch alle schieben Panik wegen der möglichen negativen Folgen. Wenn man noch nicht einmal eine Visitenkarte entgegennehmen kann, ohne sich eventuell strafbar zu machen, dann läuft etwas gehörig schief. Aber wir Deutschen sind schließlich Weltmeister darin, schwachsinnige Regeln durchzusetzen, die an der Realität völlig vorbei gehen.

Ist ja schön und gut, dass ich als Bürger die Kontrolle über meine Daten zurückgewinnen soll. Nur leider wird jeder seine Zustimmung geben, wenn er an einer Service-Leistung interessiert ist. Man denke nur an die ellenlangen AGBs, die sich kein Mensch durchliest, sie aber trotzdem annimmt.

Juckt es mich, wenn Google, Facebook und Co. meine Daten sammeln und sie wie auch immer verwenden? Nein, tut es nicht. Denn wenn ich ein kostenloses Angebot nutze, muss mir klar sein, dass das auch irgendwie finanziert werden muss. Etwas anderes anzunehmen, ist reichlich naiv.

An der DSGVO lässt sich eine goldene Nase verdienen. Angefangen von den Unternehmen, die für stolze Preise Infos zur Verordnung anbieten über die Datenschutzbeauftragten bis hin zu den Anwälten, die sich schon händereibend auf die Abmahnabzocke freuen. Ich als Freelancer, der nun wirklich keinen Schindluder mit seinen Kundendaten betreibt, habe das Nachsehen. Nun darf ich schwitzen und hoffen, dass der DSGVO-Kelch an mir vorüber geht. Herzlichen Dank auch!

Sandras kleine Texterschule Teil 2

9. Mai 2018

Meine erste Headline

An den Rechner und los geht‘s? Lieber nicht. Denn wenn du gleich die in die Tasten haust, wird nichts Originelles dabei herauskommen. Sondern nur eine fade Buchstabenreihe. Darum nimm dir erst einmal Stift und Papier und denk nach …

Um welches Thema geht es? Was sind die wichtigsten Begriffe? Welche Synonyme, Antonyme, Wortkombinationen, Redewendungen, Sprichwörter oder Zitate fallen dir dazu ein? Schreib alles auf und fang an, damit zu spielen. Ein Begriff klingt so ähnlich wie ein Wort in einem bekannten Filmtitel? Dann probier aus, ob es witzig klingt, wenn du ihn dort einsetzt. Oder eine Redewendung wird in diesem Zusammenhang doppeldeutig? Aufschreiben! Einfach alles, selbst wenn dir deine Idee superpeinlich erscheint. Erstens bringt sie dich vielleicht auf eine bessere und zweitens hast du den Kalauer sonst die ganze Zeit im Kopf.

Wenn die erste schöne Head steht, dann teste, ob sich das Prinzip auch auf die weiteren anwenden lässt. Hast du also in der ersten Line eine Redewendung „umgedeutet“, dann versuche es mit der zweiten genauso. Lässt sich das Spiel nicht fortsetzen, musst du leider auf deine Kreation verzichten (behalte sie aber im Hinterkopf, vielleicht kannst du sie ja anderweitig verwenden). Denn wenn die Heads kunterbunt durcheinander gewürfelt sind, wird es nicht rund. Auch unterschiedliche Länge oder Tonalität sind Headlineführungskiller.

Wenn du mit deinem Ergebnis glücklich bist, dann starte noch einmal von vorne. Denn du darfst nicht davon ausgehen, dass dein Kunde oder der Kunde deines Kunden die gleichen Vorlieben hat wie du. Also solltest du mindestens eine (gute) Alternative anbieten. Viel Erfolg :-)

 

Is there anybody out there?

4. Mai 2018

Im Zeitalter der digitalen Kommunikation schleicht sich vermehrt eine Unsitte ein: nicht zu antworten. Was im privaten Bereich schon ärgerlich ist, wirkt sich im geschäftlichen ziemlich kontraproduktiv aus. Wenn ich von einem (potenziellen) Kunden keine Antwort erhalte, gehe ich mittlerweile davon aus, dass er trotzdem meine Nachricht gelesen hat. Was leider nicht immer der Fall ist. Mal wird die Mail schlichtweg übersehen, mal landet sie im Spam-Ordner. Nach Tagen kommt dann die Nachfrage: Wo bleibt denn eigentlich mein Text/Angebot? Oops, haben Sie schon geschickt? Da muss ich mal nachsehen … Ich verstehe nicht, was daran so schwierig ist, kurz ein „ok“ zurückzumailen. Das sind nur zwei Buchstaben, die aber allen Beteiligten das Leben leichter machen. Das Schöne an der digitalen Kommunikation ist ja gerade, dass sie so flott und unkompliziert ist. Wenn man sie denn nutzt … Zum Glück sind die meisten meiner Kunden anders gestrickt. Ein Feedback kommt in der Regel spätestens am Folgetag. Aber es gibt auch andere Kandidaten. Die sollten sich davon mal eine Scheibe abschneiden.

!!!HELLO MOTO!!!

26. April 2018

Es gibt Momente, in denen das Handy keine Geräusche machen sollte: z. B. bei einer Trauerfeier. Neulich war ich auf einer solchen. Ich hatte selbstredend das Handy auf lautlos gestellt. Nur dann fiel mir ein, dass vielleicht doch irgendein Sound dadurch nicht blockiert sein könnte. Hektisch griff ich in meine Tasche, um es auszuschalten. Leider entschied es sich stattdessen für einen Neustart. Wer ein Motorola besitzt, weiß, was das bedeutet: Ein lautstarkes „!!!HELLO MOTO!!!“ am Ende der Hochfahranimation. Was also tun? Mitten in der Trauerfeier rausrennen …? Die Pein ertragen, wenn alle Trauergäste mich mit vernichtenden Blicken anschauen …? Meine liebe Cousine erkannte direkt das Dilemma (sie hat auch ein Motorola). Geistesgegenwärtig wickelte sie das Handy in mehrere Mäntel ein und legte noch ihre Tasche obendrauf. Der ein oder andere hat es wohl trotzdem gehört. Aber der Rieseneklat blieb aus. Puh! Inzwischen habe ich herausgefunden, wie ich diesen depperten Sound ausschalten kann. Die Info habe ich gleich an meine Cousine weitergeleitet, was sie sehr gefreut hat …

Sandras kleine Texterschule Teil 1

25. April 2018

Nicht ohne meine Freigabe!

Dieser Tipp gilt nicht nur für angehende Texter, sondern für alle frischen Freien: Lasst euch immer euer Angebot freigeben. Es spielt keine Rolle, wie nett euch der Kunde erscheint. Oder wie dringend er den Text (oder die Grafik oder sonstiges) braucht, aber den Chef nicht erwischt, der aber gaaaanz sicher seine Freigabe erteilt.

Ich habe schon die leidvolle Erfahrung gemacht, dass man sich auf so etwas nicht verlassen darf. Damals sollte ich ein Konzept für ein neues TV-Format entwickeln. Die drei Damen, die mich angefragt hatten, waren sehr freundlich und sympathisch. Nun musste dieses Konzept unbedingt am nächsten Montag vorliegen. Ihr Chef war aber nicht da. Die Damen beknieten mich, dass ich doch bitte, bitte, bitte schon ohne die Freigabe loslege. Ich ließ mich breitschlagen und arbeitete das Wochenende durch und schickte das Konzept Sonntagabend zum Kunden.

Am Montag teilte mir der Chef mit, dass er ja das Angebot gar nicht freigeben hätte und auch nicht plane, dies zu tun. Tja, das ganze Wochenende für nichts und wieder nichts in die Tonne getreten. Die drei Damen stellten sich ab diesem Zeitpunkt tot. Keine Entschuldigung, kein gar nichts. Na, herzlichen Dank auch! Das Einzige, was ich noch erreichen konnte, war eine unterschriebene Erklärung, dass von meinem Konzept nichts verwendet wird. Was ich ja gar nicht nachprüfen konnte. Aber wenigstens hatte ich noch irgendetwas für meine Ehrenrettung getan.

Dies war das erste und das letzte Mal, dass ich (außer bei langjährigen, zuverlässigen Stammkunden) ohne eine Freigabe losgelegt habe. Seid so schlau und spart euch diese Erfahrung von Haus aus.