Konzeption & Text. Sandra Cremer



Sandras kleine Texterschule Teil 4

13. Juni 2018

– Prokrastination erlaubt –

Liest man Artikel zum Thema Prokrastination, könnte man meinen, sie wäre ein Produktivitätskiller. Stimmt aber nicht. Wenn du an einem Text sitzt und gerade eine fiese Schreibblockade hast, hilft es dir rein gar nichts, auf den Bildschirm zu starren und dir das Hirn zu zermartern. Steh auf, putz das Bad, lies einen Artikel, ruf jemand an oder sortiere deine Socken. Das kostet zwar Zeit, doch es entspannt dich und bringt dich auf neue Gedanken. Wenn du dann wieder am Schreibtisch sitzt, dann flutscht es. Falls nicht, fällt dir sicher noch etwas ein, das du gerade ganz dringend tun wolltest …

Sandras kleine Texterschule Teil 3

6. Juni 2018

– Money money money –

Dieser Tipp gilt wieder für alle Freelancer: Traut euch, euer Geld einzutreiben! Wenn ein Kunde nicht rechtzeitig zahlt, solltet ihr ihn zeitnah (freundlich) darauf aufmerksam machen. Seitens des Kunden steckt meist kein böser Wille dahinter. Er wird euch eine nette Erinnerung also nicht krumm nehmen.

Da gibt es diejenigen, die einfach das Zahlungsziel nicht auf dem Schirm hatten. Andere wiederum haben die Rechnung nicht gesehen. Und mir ist es sogar schon passiert, dass der Kunde schon längst überwiesen hatte und das Geld auf einem „Verwahrungskonto“ gelandet ist. Will heißen, der Kunde hatte meine Bankverbindung nicht richtig angegeben und die Bank hat das Geld einfach einbehalten. Natürlich ohne jemanden davon in Kenntnis zu setzen. Was in meinen Augen fast schon kriminell ist. Aber wer legt sich schon mit einer Bank an, noch dazu wenn es nicht die eigene ist? Dann gibt es noch (zum Glück selten) die Leute, die einfach nicht zahlen wollen. Meist weil sie selber gerade klamm sind. Und wer am wenigsten Druck macht, bekommt sein Geld natürlich als letzter …

So oder so: Es steht euch zu, für eure Leistung fristgerecht bezahlt zu werden. Zumal eure eigene Arbeit meist schon seit einiger Zeit abgeschlossen ist, bevor ihr überhaupt die Rechnung stellen könnt.

 

Depperts Scheiß Glump Verreckts Ordnung

20. Mai 2018

Man kommt dem Thema DSGVO nicht aus und wenn man sich noch so sperrt. Immer wieder lese ich, dass ich als Freelancer genauso betroffen bin. Aber was für mich denn nun genau zu tun ist, das findet sich leider nirgends. Alle Artikel (sofern sie Freelancer überhaupt erwähnen) sind mehr als vage.

Eigentlich beschleicht einen das Gefühl, dass da kein Mensch so richtig durchblickt. Doch alle schieben Panik wegen der möglichen negativen Folgen. Wenn man noch nicht einmal eine Visitenkarte entgegennehmen kann, ohne sich eventuell strafbar zu machen, dann läuft etwas gehörig schief. Aber wir Deutschen sind schließlich Weltmeister darin, schwachsinnige Regeln durchzusetzen, die an der Realität völlig vorbei gehen.

Ist ja schön und gut, dass ich als Bürger die Kontrolle über meine Daten zurückgewinnen soll. Nur leider wird jeder seine Zustimmung geben, wenn er an einer Service-Leistung interessiert ist. Man denke nur an die ellenlangen AGBs, die sich kein Mensch durchliest, sie aber trotzdem annimmt.

Juckt es mich, wenn Google, Facebook und Co. meine Daten sammeln und sie wie auch immer verwenden? Nein, tut es nicht. Denn wenn ich ein kostenloses Angebot nutze, muss mir klar sein, dass das auch irgendwie finanziert werden muss. Etwas anderes anzunehmen, ist reichlich naiv.

An der DSGVO lässt sich eine goldene Nase verdienen. Angefangen von den Unternehmen, die für stolze Preise Infos zur Verordnung anbieten über die Datenschutzbeauftragten bis hin zu den Anwälten, die sich schon händereibend auf die Abmahnabzocke freuen. Ich als Freelancer, der nun wirklich keinen Schindluder mit seinen Kundendaten betreibt, habe das Nachsehen. Nun darf ich schwitzen und hoffen, dass der DSGVO-Kelch an mir vorüber geht. Herzlichen Dank auch!

Sandras kleine Texterschule Teil 2

9. Mai 2018

Meine erste Headline

An den Rechner und los geht‘s? Lieber nicht. Denn wenn du gleich die in die Tasten haust, wird nichts Originelles dabei herauskommen. Sondern nur eine fade Buchstabenreihe. Darum nimm dir erst einmal Stift und Papier und denk nach …

Um welches Thema geht es? Was sind die wichtigsten Begriffe? Welche Synonyme, Antonyme, Wortkombinationen, Redewendungen, Sprichwörter oder Zitate fallen dir dazu ein? Schreib alles auf und fang an, damit zu spielen. Ein Begriff klingt so ähnlich wie ein Wort in einem bekannten Filmtitel? Dann probier aus, ob es witzig klingt, wenn du ihn dort einsetzt. Oder eine Redewendung wird in diesem Zusammenhang doppeldeutig? Aufschreiben! Einfach alles, selbst wenn dir deine Idee superpeinlich erscheint. Erstens bringt sie dich vielleicht auf eine bessere und zweitens hast du den Kalauer sonst die ganze Zeit im Kopf.

Wenn die erste schöne Head steht, dann teste, ob sich das Prinzip auch auf die weiteren anwenden lässt. Hast du also in der ersten Line eine Redewendung „umgedeutet“, dann versuche es mit der zweiten genauso. Lässt sich das Spiel nicht fortsetzen, musst du leider auf deine Kreation verzichten (behalte sie aber im Hinterkopf, vielleicht kannst du sie ja anderweitig verwenden). Denn wenn die Heads kunterbunt durcheinander gewürfelt sind, wird es nicht rund. Auch unterschiedliche Länge oder Tonalität sind Headlineführungskiller.

Wenn du mit deinem Ergebnis glücklich bist, dann starte noch einmal von vorne. Denn du darfst nicht davon ausgehen, dass dein Kunde oder der Kunde deines Kunden die gleichen Vorlieben hat wie du. Also solltest du mindestens eine (gute) Alternative anbieten. Viel Erfolg :-)

 

Is there anybody out there?

4. Mai 2018

Im Zeitalter der digitalen Kommunikation schleicht sich vermehrt eine Unsitte ein: nicht zu antworten. Was im privaten Bereich schon ärgerlich ist, wirkt sich im geschäftlichen ziemlich kontraproduktiv aus. Wenn ich von einem (potenziellen) Kunden keine Antwort erhalte, gehe ich mittlerweile davon aus, dass er trotzdem meine Nachricht gelesen hat. Was leider nicht immer der Fall ist. Mal wird die Mail schlichtweg übersehen, mal landet sie im Spam-Ordner. Nach Tagen kommt dann die Nachfrage: Wo bleibt denn eigentlich mein Text/Angebot? Oops, haben Sie schon geschickt? Da muss ich mal nachsehen … Ich verstehe nicht, was daran so schwierig ist, kurz ein „ok“ zurückzumailen. Das sind nur zwei Buchstaben, die aber allen Beteiligten das Leben leichter machen. Das Schöne an der digitalen Kommunikation ist ja gerade, dass sie so flott und unkompliziert ist. Wenn man sie denn nutzt … Zum Glück sind die meisten meiner Kunden anders gestrickt. Ein Feedback kommt in der Regel spätestens am Folgetag. Aber es gibt auch andere Kandidaten. Die sollten sich davon mal eine Scheibe abschneiden.

!!!HELLO MOTO!!!

26. April 2018

Es gibt Momente, in denen das Handy keine Geräusche machen sollte: z. B. bei einer Trauerfeier. Neulich war ich auf einer solchen. Ich hatte selbstredend das Handy auf lautlos gestellt. Nur dann fiel mir ein, dass vielleicht doch irgendein Sound dadurch nicht blockiert sein könnte. Hektisch griff ich in meine Tasche, um es auszuschalten. Leider entschied es sich stattdessen für einen Neustart. Wer ein Motorola besitzt, weiß, was das bedeutet: Ein lautstarkes „!!!HELLO MOTO!!!“ am Ende der Hochfahranimation. Was also tun? Mitten in der Trauerfeier rausrennen …? Die Pein ertragen, wenn alle Trauergäste mich mit vernichtenden Blicken anschauen …? Meine liebe Cousine erkannte direkt das Dilemma (sie hat auch ein Motorola). Geistesgegenwärtig wickelte sie das Handy in mehrere Mäntel ein und legte noch ihre Tasche obendrauf. Der ein oder andere hat es wohl trotzdem gehört. Aber der Rieseneklat blieb aus. Puh! Inzwischen habe ich herausgefunden, wie ich diesen depperten Sound ausschalten kann. Die Info habe ich gleich an meine Cousine weitergeleitet, was sie sehr gefreut hat …

Sandras kleine Texterschule Teil 1

25. April 2018

Nicht ohne meine Freigabe!

Dieser Tipp gilt nicht nur für angehende Texter, sondern für alle frischen Freien: Lasst euch immer euer Angebot freigeben. Es spielt keine Rolle, wie nett euch der Kunde erscheint. Oder wie dringend er den Text (oder die Grafik oder sonstiges) braucht, aber den Chef nicht erwischt, der aber gaaaanz sicher seine Freigabe erteilt.

Ich habe schon die leidvolle Erfahrung gemacht, dass man sich auf so etwas nicht verlassen darf. Damals sollte ich ein Konzept für ein neues TV-Format entwickeln. Die drei Damen, die mich angefragt hatten, waren sehr freundlich und sympathisch. Nun musste dieses Konzept unbedingt am nächsten Montag vorliegen. Ihr Chef war aber nicht da. Die Damen beknieten mich, dass ich doch bitte, bitte, bitte schon ohne die Freigabe loslege. Ich ließ mich breitschlagen und arbeitete das Wochenende durch und schickte das Konzept Sonntagabend zum Kunden.

Am Montag teilte mir der Chef mit, dass er ja das Angebot gar nicht freigeben hätte und auch nicht plane, dies zu tun. Tja, das ganze Wochenende für nichts und wieder nichts in die Tonne getreten. Die drei Damen stellten sich ab diesem Zeitpunkt tot. Keine Entschuldigung, kein gar nichts. Na, herzlichen Dank auch! Das Einzige, was ich noch erreichen konnte, war eine unterschriebene Erklärung, dass von meinem Konzept nichts verwendet wird. Was ich ja gar nicht nachprüfen konnte. Aber wenigstens hatte ich noch irgendetwas für meine Ehrenrettung getan.

Dies war das erste und das letzte Mal, dass ich (außer bei langjährigen, zuverlässigen Stammkunden) ohne eine Freigabe losgelegt habe. Seid so schlau und spart euch diese Erfahrung von Haus aus.

Mütterquote statt Frauenquote

20. April 2018

Brauchen wir eine Frauenquote? Ich finde, nein. Aus dem Mund (oder den Fingern) einer Frau mag das komisch klingen. Aber ich werde erklären, wie ich zu diesem Schluss gekommen bin: Eine Karrierefrau ohne Kind und ein Karrieremann unterscheiden sich nicht. Ich denke, dass heute eine kinderlose Frau die gleichen Möglichkeiten hat wie ein Mann. Dass das nicht immer so war, ist mir klar. Noch bei der Generation meiner Mutter sah das ganz anders aus. Doch heute ist es so. Weil die Gesellschaft erkannt hat, dass wir genauso ranklotzen können wie Männer. In typisch „männlichen“ Berufen mag die Chancengleichheit immer noch nicht gegeben sein. Aber wie sieht es bei den typisch „weiblichen“ Berufen aus? Sind die Männer hier nicht genauso im Hintertreffen?

Eine Nicht-Mutter brauchen wir keineswegs durch eine Quote ins Management zu hieven. Die findet auch alleine ihren Weg nach oben. Und sie wird im Zweifelsfall genauso über Leichen gehen wie ihr männliches Pendant. Solche Frauen sind für ein Unternehmen keine Trendwende. Sie sind nur Männer mit Lippenstift und Kostümchen. Wer aber wirklich einen anderen Wind hineinbringen kann, das sind die Mütter. Denn die haben etwas ganz Wichtiges gelernt: zu teilen. Und zwar nicht brüderlich oder gerecht, sondern göttlich. Der Lernprozess geht schon in der Schwangerschaft los: Man darf nicht trinken, nicht rauchen und auch sonst nichts Ungesundes tun. Man teilt seinen Körper schließlich mit einem anderen Menschen. Ist das Kind erst einmal da, muss man seine eigenen Bedürfnisse noch weiter zurückstecken. Aber man tut es freiwillig und gerne, weil man dieses kleine Wesen liebt wie noch nie einen Menschen zuvor. Jetzt kann man einwenden, dass die Väter ja (zumindest nach der Geburt) auch Zugeständnisse machen und Kompromisse eingehen müssen. Das ist richtig. Doch ich behaupte ganz frech: Mütter spielen hier in einer ganz anderen Liga.

Als Mutter sind die beruflichen Chancen tatsächlich viel schlechter. Man muss eine Zwangspause einlegen, ist nicht mehr am Ball, kann fürs Erste vielleicht nur halbtags arbeiten. Und dann kommt im Bewerbungsgespräch die Frage: „Was machen Sie, wenn Ihr Kind krank ist?“ Tja, was tut man? Man kümmert sich um sein Kind, wenn man nicht das Glück hat, dass willige Verwandte einspringen. Aber da die Großfamilie im Aussterben ist, werden sehr viele diese Option nicht haben. Also Wiederschauen!

Aber genau die Mütter wären eine Riesenchance für Unternehmen. Sie bringen wirklich einen ganz neuen Aspekt ins Business hinein: „Ich bin nicht der wichtigste Mensch, den es gibt. Manchmal müssen meine eigenen Interessen einfach hinter denen anderer zurückstehen.“ Das ist die Grundvoraussetzung für Empathie und Rücksichtnahme. Und somit die Basis, um tatsächlich ganz andere Wege zu gehen und neue Lösungen zu finden.

Darum brauchen wir keine Frauen-, sondern eine Mütterquote.

PS: Liebe Nicht-Mütter, ich will euch hier nicht schlecht machen. Ihr seid toll. Aber ihr braucht niemanden, der euch zu einem Posten verhilft. Das schafft ihr ganz alleine.

PPS: Wie man unschwer herauslesen kann: Ich bin selber Mutter. Nur habe ich als Selbständige keine Nachteile dadurch. Ich musste nur eine ganz kurze Pause einlegen und danach konnte ich mir meine Zeit so einteilen, dass sich Kind und Beruf gut unter einen Hut bringen lassen. Da mein Sohn heute bereits fast 14 Jahre alt ist, sind die „Einschränkungen“ kaum noch vorhanden. Aber das Potenzial der vielen nichtselbständigen Mütter mit kleinen Kindern wird einfach nicht wahrgenommen. Darum möchte ich mich heute für diese wahren Power-Frauen stark machen.

PPPS: Eigentlich bin ich aber kein Freund von Quoten. Man sollte nichts erzwingen. Ich fände es besser, wenn hier von alleine ein Umdenken stattfindet.

Vernetflixt!

15. April 2018

Seriengucken ist ein Zeitfresser. Aber man kann die gefressene Zeit auch sinnvoll nutzen. Indem man sich alles im Original ansieht. Das praktiziere ich schon immer so. Nun habe ich das Ganze noch gesteigert: Ich schreibe alle mir unbekannten Wörter und Redewendungen auf. Am nächsten Tag schlage ich diese nach, trage sie in einen Online-Vokabel-Trainer ein (vokabel.org) und übe sie regelmäßig. Klingt nach Streberlein, ist aber wirklich eine gute Methode, um mit Freude effektiv eine Sprache zu lernen. Da ich vor gefühlt 100 Jahren im Rahmen meiner Übersetzerausbildung auch Spanisch hatte, war die Serie „Narcos“ für mich wie geschaffen. Denn dort wird zu gleichen Teilen Englisch und Spanisch gesprochen. So konnte ich ganz nebenbei noch meine Nebensprache wieder ein bisschen aufpolieren. Nett ist auch die Serie „Fargo“. Da kann ich so Dinge lernen wie „Holy smokes!“ oder „It hurts like the dickens!“. Ob ich diese jemals benutzen werde, steht in den Sternen. Aber wer weiß. Vielleicht ergibt sich ja doch mal die Gelegenheit, sie voller Inbrunst in die Welt zu posaunen.

Happy Problems

12. März 2018

passbildDie Freelancer und Agenturleute unter euch werden das kennen: Manchmal hat man so viele Anfragen auf einmal, dass es einem fast schon unheimlich wird. Ablehnen ist aber nicht drin. Bei Bestandskunden sowieso nicht und die Neukunden mag man sich natürlich auch nicht durch die Lappen gehen lassen. Also schickt man Angebot um Angebot raus und weiß gar nicht recht, ob man sich jetzt freuen soll, wenn schließlich ein Go! kommt. Die Liste der aktuellen, kommenden und potenziellen Projekte wird immer länger. Und man denkt sich: Wenn die jetzt wirklich alle auf einmal über die Bühne gehen sollen, habe ich echt ein Problem. Bisher hat sich die Situation zum Glück immer in Wohlgefallen aufgelöst. Weil etwas nach hinten geschoben wurde oder der Zeitplan doch nicht so eng war, wie zunächst gedacht. Tja und nun sitze ich hier wieder schwankend zwischen Euphorie und Panik und bin so wahnsinnig, dass ich noch dazu einen Blogartikel schreibe …

PS: Das auf den Passbildern bin übrigens ich im zarten Alter von ca. 22 Jahren. Der Passbildautomat wollte nicht so, wie ich es wollte …