Konzeption & Text. Sandra Cremer



!!!HELLO MOTO!!!

26. April 2018

Es gibt Momente, in denen das Handy keine Geräusche machen sollte: z. B. bei einer Trauerfeier. Neulich war ich auf einer solchen. Ich hatte selbstredend das Handy auf lautlos gestellt. Nur dann fiel mir ein, dass vielleicht doch irgendein Sound dadurch nicht blockiert sein könnte. Hektisch griff ich in meine Tasche, um es auszuschalten. Leider entschied es sich stattdessen für einen Neustart. Wer ein Motorola besitzt, weiß, was das bedeutet: Ein lautstarkes „!!!HELLO MOTO!!!“ am Ende der Hochfahranimation. Was also tun? Mitten in der Trauerfeier rausrennen …? Die Pein ertragen, wenn alle Trauergäste mich mit vernichtenden Blicken anschauen …? Meine liebe Cousine erkannte direkt das Dilemma (sie hat auch ein Motorola). Geistesgegenwärtig wickelte sie das Handy in mehrere Mäntel ein und legte noch ihre Tasche obendrauf. Der ein oder andere hat es wohl trotzdem gehört. Aber der Rieseneklat blieb aus. Puh! Inzwischen habe ich herausgefunden, wie ich diesen depperten Sound ausschalten kann. Die Info habe ich gleich an meine Cousine weitergeleitet, was sie sehr gefreut hat …

Sandras kleine Texterschule Teil 1

25. April 2018

Nicht ohne meine Freigabe!

Dieser Tipp gilt nicht nur für angehende Texter, sondern für alle frischen Freien: Lasst euch immer euer Angebot freigeben. Es spielt keine Rolle, wie nett euch der Kunde erscheint. Oder wie dringend er den Text (oder die Grafik oder sonstiges) braucht, aber den Chef nicht erwischt, der aber gaaaanz sicher seine Freigabe erteilt.

Ich habe schon die leidvolle Erfahrung gemacht, dass man sich auf so etwas nicht verlassen darf. Damals sollte ich ein Konzept für ein neues TV-Format entwickeln. Die drei Damen, die mich angefragt hatten, waren sehr freundlich und sympathisch. Nun musste dieses Konzept unbedingt am nächsten Montag vorliegen. Ihr Chef war aber nicht da. Die Damen beknieten mich, dass ich doch bitte, bitte, bitte schon ohne die Freigabe loslege. Ich ließ mich breitschlagen und arbeitete das Wochenende durch und schickte das Konzept Sonntagabend zum Kunden.

Am Montag teilte mir der Chef mit, dass er ja das Angebot gar nicht freigeben hätte und auch nicht plane, dies zu tun. Tja, das ganze Wochenende für nichts und wieder nichts in die Tonne getreten. Die drei Damen stellten sich ab diesem Zeitpunkt tot. Keine Entschuldigung, kein gar nichts. Na, herzlichen Dank auch! Das Einzige, was ich noch erreichen konnte, war eine unterschriebene Erklärung, dass von meinem Konzept nichts verwendet wird. Was ich ja gar nicht nachprüfen konnte. Aber wenigstens hatte ich noch irgendetwas für meine Ehrenrettung getan.

Dies war das erste und das letzte Mal, dass ich (außer bei langjährigen, zuverlässigen Stammkunden) ohne eine Freigabe losgelegt habe. Seid so schlau und spart euch diese Erfahrung von Haus aus.

Mütterquote statt Frauenquote

20. April 2018

Brauchen wir eine Frauenquote? Ich finde, nein. Aus dem Mund (oder den Fingern) einer Frau mag das komisch klingen. Aber ich werde erklären, wie ich zu diesem Schluss gekommen bin: Eine Karrierefrau ohne Kind und ein Karrieremann unterscheiden sich nicht. Ich denke, dass heute eine kinderlose Frau die gleichen Möglichkeiten hat wie ein Mann. Dass das nicht immer so war, ist mir klar. Noch bei der Generation meiner Mutter sah das ganz anders aus. Doch heute ist es so. Weil die Gesellschaft erkannt hat, dass wir genauso ranklotzen können wie Männer. In typisch „männlichen“ Berufen mag die Chancengleichheit immer noch nicht gegeben sein. Aber wie sieht es bei den typisch „weiblichen“ Berufen aus? Sind die Männer hier nicht genauso im Hintertreffen?

Eine Nicht-Mutter brauchen wir keineswegs durch eine Quote ins Management zu hieven. Die findet auch alleine ihren Weg nach oben. Und sie wird im Zweifelsfall genauso über Leichen gehen wie ihr männliches Pendant. Solche Frauen sind für ein Unternehmen keine Trendwende. Sie sind nur Männer mit Lippenstift und Kostümchen. Wer aber wirklich einen anderen Wind hineinbringen kann, das sind die Mütter. Denn die haben etwas ganz Wichtiges gelernt: zu teilen. Und zwar nicht brüderlich oder gerecht, sondern göttlich. Der Lernprozess geht schon in der Schwangerschaft los: Man darf nicht trinken, nicht rauchen und auch sonst nichts Ungesundes tun. Man teilt seinen Körper schließlich mit einem anderen Menschen. Ist das Kind erst einmal da, muss man seine eigenen Bedürfnisse noch weiter zurückstecken. Aber man tut es freiwillig und gerne, weil man dieses kleine Wesen liebt wie noch nie einen Menschen zuvor. Jetzt kann man einwenden, dass die Väter ja (zumindest nach der Geburt) auch Zugeständnisse machen und Kompromisse eingehen müssen. Das ist richtig. Doch ich behaupte ganz frech: Mütter spielen hier in einer ganz anderen Liga.

Als Mutter sind die beruflichen Chancen tatsächlich viel schlechter. Man muss eine Zwangspause einlegen, ist nicht mehr am Ball, kann fürs Erste vielleicht nur halbtags arbeiten. Und dann kommt im Bewerbungsgespräch die Frage: „Was machen Sie, wenn Ihr Kind krank ist?“ Tja, was tut man? Man kümmert sich um sein Kind, wenn man nicht das Glück hat, dass willige Verwandte einspringen. Aber da die Großfamilie im Aussterben ist, werden sehr viele diese Option nicht haben. Also Wiederschauen!

Aber genau die Mütter wären eine Riesenchance für Unternehmen. Sie bringen wirklich einen ganz neuen Aspekt ins Business hinein: „Ich bin nicht der wichtigste Mensch, den es gibt. Manchmal müssen meine eigenen Interessen einfach hinter denen anderer zurückstehen.“ Das ist die Grundvoraussetzung für Empathie und Rücksichtnahme. Und somit die Basis, um tatsächlich ganz andere Wege zu gehen und neue Lösungen zu finden.

Darum brauchen wir keine Frauen-, sondern eine Mütterquote.

PS: Liebe Nicht-Mütter, ich will euch hier nicht schlecht machen. Ihr seid toll. Aber ihr braucht niemanden, der euch zu einem Posten verhilft. Das schafft ihr ganz alleine.

PPS: Wie man unschwer herauslesen kann: Ich bin selber Mutter. Nur habe ich als Selbständige keine Nachteile dadurch. Ich musste nur eine ganz kurze Pause einlegen und danach konnte ich mir meine Zeit so einteilen, dass sich Kind und Beruf gut unter einen Hut bringen lassen. Da mein Sohn heute bereits fast 14 Jahre alt ist, sind die „Einschränkungen“ kaum noch vorhanden. Aber das Potenzial der vielen nichtselbständigen Mütter mit kleinen Kindern wird einfach nicht wahrgenommen. Darum möchte ich mich heute für diese wahren Power-Frauen stark machen.

PPPS: Eigentlich bin ich aber kein Freund von Quoten. Man sollte nichts erzwingen. Ich fände es besser, wenn hier von alleine ein Umdenken stattfindet.

Vernetflixt!

15. April 2018

Seriengucken ist ein Zeitfresser. Aber man kann die gefressene Zeit auch sinnvoll nutzen. Indem man sich alles im Original ansieht. Das praktiziere ich schon immer so. Nun habe ich das Ganze noch gesteigert: Ich schreibe alle mir unbekannten Wörter und Redewendungen auf. Am nächsten Tag schlage ich diese nach, trage sie in einen Online-Vokabel-Trainer ein (vokabel.org) und übe sie regelmäßig. Klingt nach Streberlein, ist aber wirklich eine gute Methode, um mit Freude effektiv eine Sprache zu lernen. Da ich vor gefühlt 100 Jahren im Rahmen meiner Übersetzerausbildung auch Spanisch hatte, war die Serie „Narcos“ für mich wie geschaffen. Denn dort wird zu gleichen Teilen Englisch und Spanisch gesprochen. So konnte ich ganz nebenbei noch meine Nebensprache wieder ein bisschen aufpolieren. Nett ist auch die Serie „Fargo“. Da kann ich so Dinge lernen wie „Holy smokes!“ oder „It hurts like the dickens!“. Ob ich diese jemals benutzen werde, steht in den Sternen. Aber wer weiß. Vielleicht ergibt sich ja doch mal die Gelegenheit, sie voller Inbrunst in die Welt zu posaunen.