Konzeption & Text. Sandra Cremer




Wir sind ja so internäschonell!

16. September 2019

Wenn ich mir heute Websites von Werbeagenturen ansehe, beschleicht mich das Gefühl, dass immer weniger Werber die deutsche Sprache beherrschen. Nein, ich rede nicht von Rechtschreibfehlern oder schlechter Ausdrucksweise. Das wäre ja nichts Neues. Sondern davon, dass die Texte auf Englisch sind. Und wieder nein, ich rede nicht von einzelnen Begriffen, die sich etabliert haben. Mal weil es wirklich im Deutschen keine gute Entsprechung gibt, mal weil versucht wird, etwas Nichtssagendes unheimlich wichtig erscheinen zu lassen. Die Texte sind komplett auf Englisch. Es gibt gar keine deutsche Version mehr. Weil wer spricht denn hier noch Deutsch? Hey, brauchen wir doch nicht. Wir haben ja nur hippe Kunden und wollen nur hippe Leute, die vielleicht keine englischen Muttersprachler sind, aber doch halbwegs so tun können als ob.

Es gibt nichts dagegen einzuwenden, wenn eine Agentur fast ausschließlich internationale Kunden hat und deshalb englische Texte auf ihrer Website. Trotzdem könnte man optional eine deutsche Version anbieten – muss ja nicht per default sein. Ich für meinen Teil bin sehr fit im Englischen. Aber man kann doch nicht davon ausgehen, dass jeder sich in dieser Fremdsprache so gut zurechtfindet. Vielleicht soll hier wirklich eine Selektion stattfinden. Den depperten Mittelständler, der nicht „verhandlungssicher“ im Englischen ist, den wollen wir ja gar nicht! Soll mal schön zur kleinen Klitsche ums Eck gehen. Die ist dann auch preismäßig mehr auf seinem Niveau.

Nicht falsch verstehen: Ich liebe die englische Sprache. Aber die deutsche auch. Und ich fände es schön, wenn diese nicht sukzessive verdrängt wird – durch die peinlichen Bemühungen, besonders „internäschonell“ zu wirken.