Konzeption & Text. Sandra Cremer



Schweigezone

29. Januar 2019

Es gibt Wörter, die sofort Bilder im Kopf entstehen lassen. Was könnte eine Schweigezone sein? Der Innenhof eines Klosters? Ein Todesstreifen? Eine Straße mit Flüsterasphalt? Ein Tabu-Thema? Die stille Treppe von der Super Nanny? Weit gefehlt. Die Bedeutung ist laut Duden eine ganz andere. Aber die hat auch was: „ringförmige, in einiger Entfernung um den Ort einer Detonation o. Ä. liegende Zone, in der der Knall nicht zu hören ist, während er in noch größerer Entfernung wieder, wenn auch nur schwach, vernehmbar ist“

Jetzt könnte man darüber weitersinnen, warum dem so ist. Man könnte aber auch aufhören zu prokrastinieren und endlich wieder arbeiten, zefix!

?!?!?!?!?!?!?!?!

13. Januar 2019

Mit der Themenfindung für meinen Blog ist das so eine Sache. Genug einfallen würde mir schon. Aber das Meiste muss ich wieder verwerfen. Politik geht gar nicht. Ist im privaten Umfeld schon heikel genug. Ein Bezug zur Werbung wäre gut. Doch auch hier – dünnes Eis! Was, wenn ich einen Hype verhöhne, den ein (potenzieller Neu-)Kunde ganz toll findet oder ein Medium für tot erkläre, das er noch hoch in Ehren hält? Lieber in eine andere Richtung weiterdenken …

Also: Interessant muss das Thema sein. Am besten noch aktuell. Es muss originär sein – und originell! Mein Privatleben gibt ja den einen oder anderen Schwank her. Privates ist aber auch problematisch. Ich will ja nicht zu viel von mir preisgeben … Eine lustige Story mit Bezug zu meiner Arbeit? Besser nicht. Das liest dann bestimmt der Betroffene, erkennt sich wieder, obwohl kein Name genannt wurde und fühlt sich auf den Schlips getreten. Oder fühlt sich angesprochen, obwohl er gar nicht gemeint war – noch schlimmer!

Also dann doch lieber etwas, das mit niemandem zu tun hat, aber irgendwie doch. Das Wetter! Ja, das Wetter ist aktuell und interessiert jeden. Und die meisten sind hier der gleichen Meinung. Da eckt man nicht an, tritt nicht in Fettnäpfchen, verrät nichts von sich selbst oder von anderen. Perfekt. Zur Themenfindung reicht ein Blick aus dem Fenster. Bildmaterial lässt sich schnell selbst produzieren. Juhu! Smalltalk in Blogform. „Sandras Smallblog“. Eiertanz beendet.

 

Lieber spät als gar nicht?

11. Dezember 2018

„Brand eins“ hat vor kurzem geschrieben, dass Männer ihre Weihnachtsgeschenke immer sehr kurzfristig besorgen. In dieser Hinsicht bin ich eindeutig männlich veranlagt. Bei mir gibt es erst in der letzten Woche vor Heiligabend Panikkäufe. Was leider oft dazu führt, dass ich über das Ziel hinausschieße. Das „Weniger hätte auch gereicht“ kommt dann ein paar Stunden vor der Bescherung. Nun muss ich noch dazu gestehen, dass ich nicht die beste Geschenkemacherin bin. Doch damit bin ich nicht allein. Was ich schon an Gaben bekommen habe, die wahrscheinlich lieb gemeint, aber völlig unsinnig oder nutzlos waren … Da muss ich an eine nette Geschichte von einem Bekannten denken: Er hat mir vor vielen Jahren erzählt, dass er mit seinem Schwager einen „Nichtangriffspakt“ geschlossen hat. Will heißen, sie schenken sich gegenseitig nichts zu Weihnachten. Eine großartige Idee, wie ich finde. Ich habe mich bisher nicht getraut, diese umzusetzen. Aber verlockend ist der Gedanke schon. Was man sich da an Krampfigkeiten und Peinlichkeiten ersparen könnte …

„Ich habe mich hier angewurzelt …“

2. November 2018

Wer diesen Satz vervollständigen kann, gehört wie ich noch zur Generation Poesiealbum. Inzwischen sind diese leider von „Freundebüchern“ verdrängt worden. Die sind zwar sicher auch eine nette Erinnerung, aber ich finde durch die vorgegebenen Felder fehlt ihnen etwas der Charme. Ich wüsste heute wahrscheinlich nicht mehr, was einer meiner Grundschulfreunde als seine Lieblingsspeise genannt hat. Aber die netten, witzigen oder nachdenklichen Sprüche in meinem Poesiealbum weiß ich noch zu großen Teilen auswendig. Hier ein paar Kostproben in Originalschreibweise und -formatierung …

Da hätten wir zum Beispiel einen, für den der Schreiber heute vor ein Feminismusgericht gestellt werden würde:

„Wandle stets auf Rosen
Auf immergrüner Au
Bis einer kommt mit Hosen
Und nimmt dich dann zur Frau“

Dabei war das einer von der fröhlichen Sorte. Da gab es ganz andere Kaliber. Sehr beunruhigt hat mich dieser hier:

„Geh nie ohne Gruß und Wort
von deinen lieben Eltern fort
denn weißt es kann einmal
geschehen, daß sie dich nie wieder sehen“

Diesen hier fand ich irgendwie deprimierend (nicht wegen der Rechtschreibung):

„Sage nie das kann ich nicht,
vieles kannst du wilst die Pflicht,
schweres vordern lieb und Pflicht,
drum sage nie das kann ich nicht.“

Zum Glück gab auch weniger schwere Kost:

„Vom Zucker ein Häuschen
von Zimt die Tür
die Fenster von Bratwurst
das wünsch ich dir.“

Ob meine Freundin aus der 3. Klasse noch manchmal an mich denkt?

„Felsen können stürzen,
Berge untergehen,
aber dich vergessen,
würde nie geschehen.“

Fotos von sich selbst hat keiner meiner Freunde eingeklebt. Stattdessen sind die Seiten mit bunten Stickern und Zeichnungen verziert. Man sieht, dass sich alle große Mühe gegeben haben. Da wurden noch mit Bleistift und Lineal Linien gezogen, damit die Zeilen gerade werden. Ich schaue mir mein Album immer mal wieder an. Ob mein Sohn in ein paar Jahrzehnten wohl noch in seinem Freundebuch herumblättert? Ich habe da so meine Zweifel.

Ich hingegen habe verinnerlicht:

„Denk in Glück
und Seligkeit
auch an die ver-
gangenheit.“

PS: Und wer hat erkannt, zu welchem Spruch das Bild gehört?

Das Studentenfutter-Syndrom

12. Oktober 2018

Ist euch auch schon einmal aufgefallen, dass Mischungen nie so sind, wie man sie gerne hätte? Im Studentenfutter zum Beispiel sind hauptsächlich Rosinen, gefolgt von weniger schmackhaften Nüssen (Cashew). Die Mandeln sind blanchiert (Frevel!) und überhaupt sind viel zu wenig Walnüsse drin. Das Gleiche gilt für die Colorado-Mischung von Haribo. Statt nur Lakritze und Lakritzkonfekt zu enthalten, finden sich darin so Ekeleien wie Himbeeren mit Geleekern oder diese Dinger mit Schaumfüllung und anderes Kroppzeug. Für mich als Lakritzfan bedeutet das, dass ich ein Drittel der Packung wegwerfen muss (Denn für Nicht-Lakritzfans sind die anderen Süßigkeiten in der Packung geruchlich und geschmacklich kontaminiert). In Knabbermischungen sind eindeutig zu wenig Fischli, dafür aber kastrierte Salzstangen und labbrige Chips. In Keks- oder Pralinenmischungen … ach, es ist ein Trauerspiel. Warum ich mir dann überhaupt Mischungen kaufe? Ohne Rosinen kann man so schlecht Korinthenkacken.

Kinderarbeit oder mein erster Job

1. Oktober 2018

Mein erstes Geld habe ich damit verdient, Papiersterne auszuschneiden und diese an meine Nachbarn zu verkaufen. Das muss so mit ca. sechs bis sieben Jahren gewesen sein. Dabei habe ich so viel eingenommen, dass ich mir davon die „Schatzinsel“ auf Schallplatte kaufen konnte. Also ein durchaus ordentlicher Verdienst. Anders sah es bei meinem ersten Job mit fester Bezahlung aus. Den hatte ich mit zwölf im Münchner Tierpark Hellabrunn. Ganze 20 DM gab es damals für einen 8-Stunden-Tag mit Ponyführen, Striegeln, Ausmisten und Karussell-Betrieb. Letzteres war unter Sicherheitsaspekten auch äußerst fraglich. Darf man ein 12-jähriges Kind ein Karussell bedienen lassen? Ich bezweifle es. Doch damit der Ausbeutung nicht genug: Wir kleinen Sklaven durften nur den Eingang nehmen, der direkt zum „Kinderzoo“ führte. Der Bus hielt aber am anderen Ende des Tierparks (die U-Bahn-Station gab es zu dieser Zeit noch nicht). Wollten wir aber den Haupteingang nehmen, um nicht den kompletten Tierpark umrunden zu müssen, hieß es Eintritt zahlen. Schließlich galt es zu vermeiden, dass wir auf dem Weg zur Arbeit kostenlos ein Tier ansehen. Meine Mutter hat sich damals erbarmt und mir eine Jahreskarte gekauft (und die war richtig teuer!), damit ich nicht jeden Tag einen Riesenumweg latschen musste.

PS: Als ich nachsehen wollte, wie dieser Bereich denn nun hieß (Kinderzoo), habe ich festgestellt, dass es ihn seit 2012 nicht mehr gibt. Anscheinend sind die üblen Machenschaften inzwischen aufgedeckt worden.

PPS: Das Bild zeigt natürlich nicht mich, sondern ein kleines Mädchen 1908 in South Carolina, das über meine „Probleme“ nur hätte lachen können.

Cats, Sex and Nazis

10. September 2018

Oder was Facebook löschenswert findet und was nicht. Als ich vor einigen Tagen anlässlich des Todes von Burt Reynolds sein weltbekanntes Cosmopolitan-Centerfold gepostet habe, wurde dieses direkt einkassiert – wegen Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards. Selbst ein Geschlechtsteil, das man nicht sehen kann, ist also bereits anstößig. Als ich klein war, fand meine Mutter nichts Schlimmes daran, dieses Poster im Hobbyraum aufzuhängen. Laut Facebook hat sie mir damit wohl einen bleibenden Schaden zugefügt. Hätte sie allerdings gewaltverherrlichende Nazi-Poster aufgehängt, wäre das völlig okay gewesen. Denn schließlich verstoßen entsprechende Facebook-Posts nicht den Gemeinschaftsstandards. Zumindest wurde mir das auf meine Meldungen hin schon zigfach mitgeteilt. Weil diese aber nicht meinen Standards entsprechen, werde ich wohl nur noch Katzenbilder posten. Da kann man nichts falsch machen …

Wunderliche Wetterverwirrung

30. Juli 2018

Es ist ja immer wieder Anlass zur Häme, wenn die Leute sich über das Wetter beklagen. Es wird gestöhnt, dass es zu heiß/zu kalt ist. Es wird gestöhnt, dass es regnet/schneit. Es wird gestöhnt, dass es nicht aufhört zu regnen/zu schneien etc.

Ich persönlich bin nicht so sehr der Beklager/Stöhner, sondern eher der Verdränger/Verdreher. Scheint drei Tage die Sonne, denke ich, dass seit Wochen super Wetter ist. Regnet es drei Tage, denke ich, dass es schon seit Ewigkeiten schüttet. Auch meine Erinnerung an das Wetter der Vorjahre ist oft verzerrt. Da werden aus einem fantastischen Sommer nasskalte Regenmonate (weil an meinem Geburtstag schlechtes Wetter war). Aus dem nahezu schneelosen Winter wird ein weißes Inferno (weil ich dreimal Schneeschippen musste).

Mir ist schon der Gedanke gekommen, ob sich diese „Klitterung“ auch in anderen Lebensbereichen findet. Geld, Gesundheit, Familie, Beziehung usw. Ich habe diesen Gedanken nicht weiterverfolgt. Das war mir dann doch zu heikel …

Meine Selbständigkeit wird erwachsen

23. Juli 2018

Ich habe mich im Jahr 2000 selbständig gemacht. Also vor 18 Jahren. Und ich muss sagen, dass ich es keinen Tag bereut habe. Man muss natürlich mit einer gewissen Unsicherheit leben, wenn man kein festes Einkommen hat. Aber die Vorteile überwiegen doch bei weitem: Ich kann mir meine Arbeitszeit frei einteilen, ich kann (was zum Glück sehr selten vorkommt) einen Job ablehnen, der mir als moralisch fragwürdig erscheint, und vor allem habe ich sehr viel Abwechslung.

Heute will ich einmal erzählen, wie alles angefangen hat: Nach gut 3,5 Jahren in einer Agentur realisierte ich, dass ich dort nicht weiterkommen würde. Ich hatte in dem Laden eine tolle Zeit mit supernetten Kollegen, aber mir reichte es einfach. Darum nahm ich eine Stelle als Text-CD in einer Münchner Agentur an. Dort war es allerdings (chefbedingt) so furchtbar, dass ich noch in der Probezeit aufhörte. Der Name der Agentur spielt keine Rolle. Sie erscheint nicht in meiner Vita und außerdem gibt es sie inzwischen nicht mehr (Oh, Wunder!). Mit einigen der Kurzzeit-Kollegen habe ich aber heute immer noch guten Kontakt.

Meine beste Freundin und Grafikkollegin hatte zur selben Zeit wie ich bei meiner Ex-Ex-Agentur gekündigt und sich selbständig gemacht. Da wir immer sehr gut und sehr gerne zusammengearbeitet hatten, lag der Gedanke nahe, sich als freies Grafik-Text-Team aufzustellen. Wir legten einen grandiosen Start hin. Zuerst arbeiteten wir bei meiner Freundin zuhause. Doch schon nach kurzer Zeit konnten wir uns ein (etwas überdimensioniertes) Büro leisten. Da die Agentur, in der wir beide gearbeitet hatten, fast ausschließlich IT-Kunden betreute, ging es natürlich entsprechend weiter. Leider erwischten uns dadurch die Auswirkungen des Platzens der Dotcom-Blase mit voller Wucht. Wir waren gezwungen, in völlig neuen Branchen zu akquirieren. Dies erwies sich im Nachhinein betrachtet als Glücksfall. Denn eigentlich war es nicht besonders spannend, die x-te IT-Firma zu betreuen. Aus diesem Grund habe ich heute Kunden aus den unterschiedlichsten Bereichen, was einfach mehr Spaß macht.

Aus unserer „Mini-Agentur“ stieg ich nach zwei Jahren aus privaten Gründen aus. Die Freundschaft besteht aber heute noch. Zeitweise startete ich einen neuen Versuch als Grafik-Text-Team mit meinem damaligen Lebenspartner. Nur so viel dazu: Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass man nicht mit seinem Partner zusammen arbeiten sollte ;-) Seit 2007 bin ich also als „beruflicher Single“ unterwegs, was mir persönlich die liebste Variante ist. So kann man wirklich alle Freiheiten des Freelancer-Daseins genießen, ohne auf jemand anders Rücksicht nehmen zu müssen. Trotzdem denke ich gerne an die Zeit als Mini-Agentur zurück. Sie war sehr spannend. Aber auch anstrengend. Denn damals war für uns jeder Änderungswunsch des Kunden ein absolutes Drama. Wir kämpften wie die Löwinnen für unsere Werke, weil sie ja in unseren Augen die beste Lösung waren. Heute sehe ich das deutlich entspannter. Ich weise zwar noch darauf hin, wenn ich etwas nicht sinnvoll finde, aber nicht mit dieser Vehemenz. Und schon gar nicht fasse ich Korrekturen als persönlichen Affront auf. Man muss sich einfach daran gewöhnen, dass nicht jeder so tickt, wie man selbst. Und dass so mancher junge Ansprechpartner selber seine (schlechten) Erfahrungen machen muss. Wobei es nicht nur die Jüngeren sind, die sich mitunter als beratungsresistent erweisen. So kann es eben auch passieren, dass ich mir denke: Lieber Kunde, du möchtest also unbedingt Mist? Dann bekommst du Mist. Allerdings 1a, versteht sich. Sei‘s drum. Diese Kunden bleiben ohnehin nicht lange (auf dem Markt) …

Sandras kleine Texterschule Teil 4

13. Juni 2018

– Prokrastination erlaubt –

Liest man Artikel zum Thema Prokrastination, könnte man meinen, sie wäre ein Produktivitätskiller. Stimmt aber nicht. Wenn du an einem Text sitzt und gerade eine fiese Schreibblockade hast, hilft es dir rein gar nichts, auf den Bildschirm zu starren und dir das Hirn zu zermartern. Steh auf, putz das Bad, lies einen Artikel, ruf jemand an oder sortiere deine Socken. Das kostet zwar Zeit, doch es entspannt dich und bringt dich auf neue Gedanken. Wenn du dann wieder am Schreibtisch sitzt, dann flutscht es. Falls nicht, fällt dir sicher noch etwas ein, das du gerade ganz dringend tun wolltest …