Konzeption & Text. Sandra Cremer





Wer nicht googelt, bleibt dumm

25. Mai 2026

Diese Straße in Würzburg wurde vermutlich nach Goethes Großvater Johann Wolfgang Textor benannt. Ich dachte aber direkt an das Buch, das mich in meinen ersten Berufsjahren begleitet hat: „Sag es treffender“ von A.M. Textor.

Wer es nicht kennt – es handelt sich um ein Synonymwörterbuch. Heute schaut man lieber im Internet. Aber damals war es ein unverzichtbares Werkzeug. Mein Exemplar muss wohl bei meinem letzten Umzug verschwunden sein, was wirklich sehr schade ist.

Als ich gegoogelt habe, ob wirklich eine Straße nach diesem Autor benannt sein könnte, stellte ich fest, dass es sich gar nicht um einen Mann, sondern um eine Frau handelt. Das Titelbild hatte mich in die Irre geführt. Denn darauf ist ein Mann zu sehen, der ein Buch studiert.

Diese Täuschung war wohl bewusst. Denn „A.M. Textor“ ist ein Pseudonym für die Berliner Germanistin, Übersetzerin und Lexikografin Annemarie Weber (lat. textor = Weber). Wikipedia schreibt, man hätte damit eine Verwechslung mit einer jüngeren Schriftstellerin gleichen Namens vermeiden wollen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (1955) einem Mann mehr Kompetenz zugetraut wurde als einer Frau. Dafür spricht, dass sie auch für ihre Übersetzungen vom Englischen ins Deutsche dieses Pseudonym verwendete.

Sehr traurig finde ich, dass auf Wikipedia nicht einmal ihr Todesjahr zu finden ist. Dabei waren ihr „Sag es treffender“ sowie ihr Fremdwörterbuch seinerzeit sehr bekannt und erfolgreich. Vermutlich ist noch nicht einmal das dort angegebene Geburtsjahr (1903) korrekt. Denn auf einer Seite des AvivA-Verlags heißt es, dass die Autorin von 1918 bis 1991 gelebt haben soll. Dort sind auch weitere Informationen über sie zu finden.

Annemarie Weber muss eine bewundernswerte Frau gewesen sein. Für mich ist die Textor-Straße in Würzburg darum nach ihr benannt.