
Vor kurzem habe ich auf meinem Rechner eine alte Datei namens „Anfangen“ wiederentdeckt. Wie so viele Male in den letzten 14 Jahren. Doch diesmal habe ich nicht einfach drübergescrollt, sondern sie geöffnet. Todesmutig! Denn in diesem Dokument steckt nicht weniger als ein angefangenes Buch. Will heißen von mir verfasst.
Warum mich das Öffnen so viel Mut gekostet hat? Weil darin meine nackige, verwundbare Seele liegt.
Wie so viele (oder alle?) Texter habe ich lange davon geträumt, Schriftsteller zu werden. Und ich habe auch einen Versuch gestartet. Nämlich genau diesen, der noch immer in meinem Ordner „Privat“ vor sich hindümpelt. Genauso wie das handgeschriebene Manuskript an wechselnden Orten vor sich hinbleicht. Ein ziemlicher Packen für ein abgebrochenes Projekt.
87 Seiten sind es in Word. Aber das ist nur der Teil, den ich eingetippt habe. Im Manuskript steht noch mehr – mittlerweile vermutlich kaum noch lesbar.
Irgendwann während des Schreibens haben mich die Zweifel gepackt. Es gibt doch schon so viele mittelmäßige Bücher, braucht es da wirklich noch eins von dir?
Ob mein „Anfangen“ gut ist oder nicht – diese Frage wird sich niemals objektiv klären lassen. Denn niemand hat diese Seiten bisher gelesen. Nicht einmal ich selbst. Bis zu jenem todesmutigen Moment.
Ich war schon darauf eingestellt, dass ich selbst vor Scham erröte über den Unsinn, den ich vor 14 Jahren geschrieben habe. Wie ich hastig die Datei schließe und froh bin, dass ich diesen Schwachsinn niemand gezeigt habe.
Aber dann fing ich an zu lesen und war fasziniert. Ich wusste ja selbst nicht mehr, was in meinem „Buch“ passiert. Denn es war noch sehr roh – ein buntes Sammelsurium von Geschichten, die ich irgendwann zu einer zusammenfügen wollte.
Falls ihr jetzt denkt, dass ihr mich dazu ermutigen sollt, mein Werk fertigzubringen und es zu veröffentlichen – Fehlanzeige. Es soll genau da bleiben, wo es ist. Ich werde es nicht löschen und nicht wegwerfen. Aber lesen wird es trotzdem niemand. Das bleibt mein süßes Geheimnis.
Mein erster Beitrag auf Substack.