Konzeption & Text. Sandra Cremer





Achtsam texten

15. Januar 2026

Ich habe neulich schon einmal dazu auf LinkedIn gepostet, aber das Thema lässt mich nicht los. Es geht um Effizienz. Bisher war Effizienz etwas, das ich eher mit Maschinen und Prozessen in Verbindung gebracht habe, aber nie mit meiner Arbeit. Seit dem Siegeszug der KI sprechen alle davon, wie viel effizienter sie uns angeblich macht. Weil wir nur noch die Dinge tun müssen, die sie nicht übernehmen kann. Alle lästigen Routinetätigkeiten drum herum: einfach weg. Was bleibt, ist nur der kreative Teil.

Irgendwie hat mir der Effizienzgedanke von Anfang an Bauchschmerzen bereitet. Dieser Widerwille hat sich im Rahmen einer Fortbildung noch verstärkt. Denn dort wurde propagiert, dass man möglichst alles automatisieren oder auslagern sollte, was viel Aufwand bedeutet, aber wenig bringt. Bei der Vorstellung, nur noch automatisierte E-Mails zu versenden, um keine Zeit für persönliche Nachrichten zu verschwenden, wurde mir bewusst: Ich will das nicht. Mag sein, dass ich mir mit jeder automatisierten Nachricht zwischen 5 und 20 Minuten spare. Aber ich möchte jede Mail einzeln schreiben und verschicken. Und wenn sie noch so unwichtig ist.

Wo es mir schon beim Schreiben von E-Mails so geht, wird klar, dass es beim Texten noch viel schlimmer sein muss. Ich kann mir zwar per Prompt und Enter einen seitenlangen Text erstellen lassen. Viele werden nicht einmal bemerken, dass dieser KI-generiert ist. Aber ich spüre es mit jeder Faser. Mich irritiert jede Formulierung, die ich nicht verwendet hätte. Mich juckt jede Wiederholung. Mich nervt jede Plattitüde und jede Worthülse.

Es ist einfach nicht mein Text. Ich kann noch so lange daran herumschleifen, um ihn mehr nach mir klingen zu lassen, aber so ganz gelingt das nie. Nun stellt sich die Frage, wie viel Sinn es macht, KI zu verwenden, wenn ich nachher selbst noch so viel Hand anlegen muss – womit wir wieder beim Thema Effizienz wären …

Aber jetzt bin ich ganz ineffizient abgeschweift. Denn KI sollte gar nicht das Thema dieses Artikels sein. Eigentlich wollte ich erklären, was mir an der Effizienz so sehr missfällt.

Ich habe lange darüber nachgedacht, was es sein könnte. Logisch betrachtet ist es ja dumm, nicht effizient zu arbeiten. Trotzdem ist es mir lieber. Und ich weiß jetzt auch warum: Wenn ich etwas effizient mache, dann heißt das, dass ich möglichst schnell fertig werden will, damit ich Zeit für etwas anderes habe. Aber mir macht es Spaß zu schreiben und ich möchte mich nicht hetzen, nur um mich danach etwas anderem widmen zu können.

In meinen Augen ist Effizienz etwas für Leute, die ihre Arbeit nicht mögen. Denn wenn ich mit etwas möglichst schnell fertig sein will, dann ist es ja etwas, das mir mühsam und lästig ist und ich froh bin, wenn es endlich vorbei ist. Doch das ist bei mir ganz anders.

Ich liebe es, ganz ineffizient vor mich hinzuarbeiten. Ich lasse keinen Stoßseufzer, wenn ich abends mein Werk getan habe und endlich meinen Rechner ausschalten kann (tatsächlich schalte ich meinen Rechner so gut wie nie aus, was aber auch etwas mit Bequemlichkeit zu tun haben könnte).

Mein Tag ist nicht durchgetaktet. Ich arbeite, mache kurz etwas anderes, arbeite wieder, mache wieder etwas anderes … So gesehen beginnt mein Arbeitstag oft schon um 5 Uhr morgens und endet oft erst um 22 Uhr. Nur dass ich eben nicht effizient durcharbeite, meine Mittagspause mache und dann effizient bis zum Feierabend weiterarbeite. Nein, ich „verplempere“ meine Zeit – und ich fühle mich sehr wohl dabei und damit.

In einer Festanstellung wäre eine solche Arbeitsweise nicht möglich. Aber als Selbständige habe ich den Luxus, meine Zeit so einzuteilen, wie ich will. Ich möchte nicht A schnell hinter mich bringen, damit ich zackig mit B anfangen kann, um dann endlich C abzuhaken.

Meine Arbeit hat keinen Anfang und kein Ende. Sogar die Wochenenden sind mir nicht heilig. Nicht, weil ich ein Workaholic bin oder chronisch überlastet. Ich möchte mir einfach die Zeit nehmen, um alles in meinem Tempo zu machen. Dafür reichen die Werktage oft nicht aus. Aber das macht nichts, weil ich mich unter der Woche ja nicht abhetze, damit ich Samstag und Sonntag dann endlich Freizeit habe. Oder am besten noch nur vier Tage die Woche arbeite, damit ich mich an den restlichen drei Tagen von meiner Arbeit erholen kann.

Ich schreibe für mein Leben gern. Ich muss mich nicht einige Tage ausruhen, damit ich wieder Lust und Energie habe, etwas zu texten.

Vielleicht habe ich einfach nur Glück gehabt, dass ich eine Arbeit gefunden habe, die mir wirklich Spaß macht. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass es eine Einstellungssache ist. Spontan ist mir das Wort „Achtsamkeit“ eingefallen. Ich mag es ja eigentlich nicht so gerne, weil es so lange in aller Munde war, dass es jetzt wirklich ausgelutscht ist. Aber es trifft eigentlich sehr schön das, was ich mache: achtsam texten.

Foto von Dorota Dylka auf Unsplash



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