Konzeption & Text. Sandra Cremer



Hej, du!

27. September 2022

Früher gab’s das nur bei Ikea. Inzwischen (leider) immer öfter: Ich werde als Kunde geduzt. Muss das sein? Prinzipiell bin ich ein Freund des Dus. Gerne biete ich es an oder nehme es an, wenn ein direkter Kontakt zur jeweiligen Person besteht und mir diese sympathisch ist – sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext. Von einem Unternehmen erwarte ich mir aber respektvolle Distanz.

Wert und Wertschätzung

Wenn ich ein Produkt kaufe oder eine Dienstleistung in Anspruch nehme, investiere ich Geld und schenke Vertrauen. Ich möchte, dass dies auch honoriert wird: mit einem wertschätzenden Umgang. Wenn ich als Kunde ungefragt geduzt werde, erzeugt das eine Pseudo-Nähe, die ich als übergriffig empfinde. Dieses Gefühl beeinflusst mein Bild des Unternehmens: Es bekommt einen billigen Touch und ich fühle mich nicht ernst genommen.

Okay und No-Go

Um noch einmal mein Beispiel aufzugreifen: Bei Ikea ist das nicht so schlimm (wenn auch nervig, vor allem am Telefon), weil es zum Image passt. Bei einem Finanzdienstleister ist es unangemessen. Ebenso bei einem Unternehmen, das ein hochpreisiges Angebot hat. Der Versuch, sich mit einem Du einen jüngeren Anstrich zu geben, ist meist krampfhaft und manchmal sogar zum Fremdschämen. So hat unter anderem XING wegen des Wechsels von Sie auf Du Minuspunkte kassiert – zumindest von mir.

Wenn schon, denn schon

Entscheidet sich ein Unternehmen dennoch für ein Du, sollte es diese Kundenansprache durchgängig verwenden. Mischt es Du und Sie, ist das Corporate Wording widersprüchlich und somit auch die Corporate Identity. Selbst eine unterschiedliche Ansprache nach Alter sehe ich kritisch. Gibt es Kunden erster und zweiter Klasse? Wie alt muss man sein, um sich ein Sie zu verdienen? Was tun, wenn die Zielgruppe sich in einer Übergangsphase vom Jugendlichen zum jungen Erwachsenen befindet? Ebenso fraglich ist die Unterscheidung nach Medium: Wenn ich Kunden in der Kommunikation grundsätzlich sieze, sollte ich sie in den sozialen Medien nicht auf einmal duzen. Das wirkt befremdlich.

Old School oder New Trash?

Vielleicht gehöre ich mit meiner ablehnenden Haltung zu einer aussterbenden Spezies. Der Trend, sich immer mehr dem angelsächsischen Sprachraum anzupassen, ist unaufhaltsam. Aber auch im Englischen wird in der Ansprache unterschieden. Es gibt zwar kein Sie, doch die respektvolle Distanz wird durch höfliche Ausdrucksformen geschaffen. Das müssen wir Deutschen vielleicht erst noch lernen. Ich für meinen Teil hoffe, dass das Sie nicht komplett verschwindet.

Gebt zu, dass ihr uns braucht!

14. September 2022

Das Tolle am Texterdasein ist, dass wir oft unserer Zeit voraus sind: Wir beschreiben Produkte, die es noch nicht zu kaufen gibt. Wir bewerben Dienstleistungen, die erst Monate später angeboten werden. Wir wissen von Events, die erst in ferner Zukunft stattfinden. Wir kreieren Claims und verfassen Image-Texte für Unternehmen, die erst im Entstehen sind, oder taufen sie sogar. Kurz: Wir sind die Hüter unzähliger Geheimnisse – kleiner wie großer. Eine ebenso spannende wie verantwortungsvolle Aufgabe.

Es muss nicht jeder alles können

Manchmal arbeiten wir sogar im Geheimen, wenn alles schon längst bekannt ist. Das ist zwar immer noch verantwortungsvoll, aber etwas befremdlich. Es scheint fast so, als ob manche Unternehmen sich schämen, dass sie ihre Texte nicht selber schreiben. Aber liebe Leute, das ist doch nicht peinlich! Es ist vernünftig, wenn man jemand anderen beauftragt, der diesen Job besser machen kann. Baut ihr eure Autos etwa selbst zusammen? Vermutlich nicht. Weil es sehr lange dauern würde und das Ergebnis unbefriedigend wäre (Parallelen dürfen gerne gezogen werden …).

Verkauft, aber nicht verraten

Manchmal sind es die Agenturen, die sich nicht in die Karten schauen lassen wollen. Auch euch will ich sagen: Es ist keine Schande, Freelancer zu beauftragen. Im Gegenteil: Es zeigt, dass ihr versteht zu haushalten. Ihr habt mehr Aufträge, als eure Festangestellten stemmen können, aber nicht genug, als dass sich die Einstellung eines weiteren Texters (Grafikers, Beraters, etc.) lohnen würde. Ihr saugt also weder eure Mitarbeiter bis auf den letzten Tropfen aus, noch bezahlt ihr sie fürs Däumchendrehen. Alles richtig gemacht!

So haben alle etwas davon

Die Einsparung bei den Fixkosten gebt ihr an eure Kunden weiter. Alle wissen, woran sie sind, und fühlen sich wohl dabei – und wir Freelancer müssen unsere schönen Referenzen nicht mehr in der Schublade verstecken!

 

Es gibt gute Neuigkeiten!

19. August 2022

 

Es hat viele Stunden Recherche erfordert, aber hier sind sie: Gute Nachrichten von A-Z (garantiert fake-frei). Die Begriffe verlinken zu den jeweiligen Artikeln / Podcasts. Viel Spaß beim Lesen!

A – Andrew Tate wurde ausgeknockt.

B – Bezugsfertig: Erstes Haus mit 3D-Betondrucker gebaut.

C – City of Hope: HIV-Patient nach Stammzellentransplantation geheilt.

D – Dieseltankerflotte steuert nach Europa.

E – E-Auto saugt CO2 ein.

F – Freundschaft hält geistig aktiv.

G – Great Barrier Reef erholt sich.

H – Handy-Blitzer gegen Autounfälle.

I – Impfstoff-Kandidat für Tuberkulose bei Säuglingen.

J – James Webb Weltraumteleskop macht größte astronomische Aufnahme.

K – Kakapo-Papageien haben Geburten-Boom.

L – Landarzt-Projekt „Localhero“ gestartet.

M – Masernimpfpflicht von Bundesverfassungsgericht bestätigt.

N – Netflix und Verdi vereinbaren Mindestgagen.

O – Organspende: Blutgruppe menschlicher Niere geändert.

P – patchCROP: Landschaftslabor für mehr Vielfalt in der Landwirtschaft

Q – Quantencomputer: Quantenvorteil bei immer komplexeren Aufgaben.

R – Recht auf saubere Umwelt ist Menschenrecht.

S – Spritsparen mit Google Maps.

T – Trinkwasserbrunnen an öffentlichen Orten sollen mehr werden.

U – Ukraine: Fintech-Sektor wächst trotz Krieg.

V – Vier-Tage-Woche-Test ist vielversprechend.

W – Wellen als natürliche Antriebsart.

X – X-ray und CT kombiniert erkennen Lungenkrebs.

Y – Yttrium und Stickstoff reagieren unter Hochdruck zu neuartigen Strukturen.

Z – Zero Trust gegen Security-Debakel.

 

 

Auch Schlechtes hat sein Gutes!

1. Juli 2022

Eine negative Erfahrung kann auch 22 Jahre später noch positive Auswirkungen haben. Denn so lange ist es her, dass ich in einer bestimmten Agentur als CD Text gearbeitet habe. Ihr braucht nicht in meiner Vita nachzusehen – sie taucht dort nicht auf. Ich habe noch in der Probezeit gekündigt, weil die Arbeitsbedingungen unerträglich waren. Was aber alleine am Inhaber lag und nicht an meinen Kollegen. Womit wir zu den positiven Auswirkungen kommen: Ich arbeite heute noch mit mehreren von ihnen zusammen – und zwar mit großer Freude! Leider darf ich hier keine Namen nennen, weil sich sonst Rückschlüsse auf die Agentur ziehen lassen. Aber ihr Lieben wisst schon, dass ihr gemeint seid, oder? Außerdem hat mir dieser Fehltritt den letzten Schubs gegeben, um mich selbständig zu machen. Und das war definitiv eine gute Entscheidung!

 

Muss das sein?

1. Juni 2022

 

Jeden Tag werde ich in den Nachrichten mit Horrorszenarien beballert. Alles geht angeblich so dermaßen den Bach runter, dass man sich wundert, dass man in der Früh noch aufwacht. Ja, es passieren aktuell viele schreckliche Dinge, die einem Angst machen können. Über diese darf und muss man sogar berichten. Was aber nicht sein muss, ist ständig den Teufel in den schrillsten Farben an die Wand zu malen. Will der Großteil der Menschen so etwas lesen? Möchten sie alle Worst-Case-Szenarien durchspielen, damit sie nachher sagen können: Puh, soooo schrecklich war es ja doch nicht?

Mut zu gesundem Optimismus

Ich für meinen Teil habe das gründlich satt. Die Artikel, die ganz offensichtlich nur der Panikmache dienen, klicke ich gar nicht erst an und blende die Überschriften mental aus (Die Erfahrung zeigt, dass die reißerischen Teaser meist das Schlimmste am Artikel sind). Wenn etwas passiert, dann passiert es, auch ohne dass ich mir vorher (vielleicht völlig unnötig) einen Kopf darüber gemacht habe. In meinen Augen ist das gesunder Optimismus.

Einmal am Tag reicht völlig

Je weniger Nachrichten ich lese, desto besser geht es mir. Dies schreibe ich, nachdem ich mich doch dazu habe hinreißen lassen und jetzt einen Knoten im Magen habe. Vor Wut. Also, liebe Leute: Ihr müsst euch nicht stündlich über das aktuelle Geschehen informieren. Einmal am Tag reicht, um sich einen Überblick zu verschaffen. Maus (oder Finger) weg von Artikeln, denen man schon auf den ersten Blick ansieht, dass sie Panik-Clickbait sind. Wenn die Welt untergeht, dann merkt ihr das schon rechtzeitig und bis dahin genießt euer Leben!

Sandras kleine Texterschule Teil 13

11. Mai 2022

Zu spät – geht gar nicht!

Schlechtes Zeitmanagement ist kein Zeichen von kreativem Chaos, sondern von mangelnder Zuverlässigkeit. Wenn ich einen Termin ausmache, dann halte ich ihn auch. Von meinen Freunden mag ich für meine Pünktlichkeit belächelt werden, meine Kunden erwarten sie. Dass ich sie diesbezüglich nie enttäusche, ist eine meiner Stärken und einer der Gründe, warum ich oft weiterempfohlen werde. Doch wie lässt sich Fehlplanung vermeiden?

Mach dir keinen Stress

Lote erst einmal aus, wann der Kunde wirklich den Text braucht. Das allseits gehasste „asap“ heißt bei den einen „lieber gestern als heute“, bei den anderen „Ende nächster Woche wäre schön“. Bestehe auf eine genaue Vereinbarung. Noch besser fixierst du den Termin schriftlich. Dann gibt es keinen Interpretationsspielraum und keine Missverständnisse. Wenn du selbst einen Liefertermin vorschlagen sollst, lege ihn nicht so, dass du ihn nur mit Ach und Krach halten kannst. Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren und dann bist du verratzt. Also unbedingt einen Puffer einplanen. Zumal es zur Qualitätssicherung gut ist, deinen Text mit etwas Abstand noch einmal gelesen zu haben, bevor du ihn wegschickst.

Deadline ist Deadline

Wenn deine Kunden eine sehr enge Deadline setzen, kann das nervig sein. Du darfst auch gerne diskutieren und dir einen Aufschub erbitten – bevor du eine Zusage machst! Was du aber keinesfalls tun darfst, ist, den Termin nicht einzuhalten. Wenn du also Dienstagvormittag vereinbart hast, dann ist es am Dienstagnachmittag zu spät. Am besten ist es, du schickst deinen Text noch am Abend zuvor. Dann hat ihn dein Kunde bereits morgens in seinem E-Mail-Postfach. Vielleicht sitzt er ja schon um 7 Uhr am Rechner und freut sich darüber.

Nachhaken schadet nicht

Es muss keine Nachlässigkeit oder Zerstreutheit sein, wenn dein Kunde nicht auf deine Textlieferung antwortet. Tatsächlich kommt es vor, dass eine Mail (aus welchen Gründen auch immer) nicht zugestellt oder schlichtweg nicht wahrgenommen wird. Ein höflicher Kunde wartet vielleicht geduldig ab, bevor er sich vorsichtig nach deinem Text erkundigt. Um dann von dir die Auskunft zu bekommen, dass er ihm doch schon seit Tagen vorliegen sollte. Das ist unnötig und ärgerlich – für beide Seiten. Also gegebenenfalls lieber nachfragen. Vor allem, wenn es ein Kunde ist, der sonst immer zeitnah reagiert. Wenn man selbst im Stress ist, lässt man das mitunter bleiben. Hier muss ich mich selbst wieder ein bisschen disziplinieren. Denn wenn man nachhakt, signalisiert man dem Kunden: Ich erwarte von dir in Zukunft eine Rückmeldung.

Der Kunde ist König

Dieser Spruch ist furchtbar abgelutscht, ich weiß. Aber er stimmt trotzdem. Wenn dein Kunde also Input zu spät liefert, heißt das nicht, dass du ab sofort auch keine Termine mehr einhalten musst. Sollte der Kunde dadurch die rechtzeitige Abgabe gefährden, darfst du ihn natürlich freundlich darauf hinweisen. Ideal wäre es aber, wenn du den zugesagten Termin trotzdem schaffst. Damit sammelst du viele Pluspunkte. Doch auch hier gibt es Grenzen: Was nicht machbar ist, musst du nicht machen.

 

Wenn Fische auf Reisen gehen

8. Februar 2022

Oder: Warum Wiedersehen nicht immer Freude macht. Ich habe vor einigen Jahren eine schöne alte Rollkarte mit essbaren Seefischen gekauft. Für satte 200 Euro. Allerdings waren die Ausmaße der Karte so gigantisch, dass ich sie nirgends aufhängen konnte, ohne den ganzen Raum damit zu erschlagen. Also blieb sie sehr zu meinem Leidwesen zusammengerollt und staubte vor sich hin. Irgendwann gestand ich mir endlich ein, dass ich wohl nie einen Platz dafür finden würde. Zum Wegwerfen war sie aber viel zu schade und natürlich auch zu teuer. Was also tun? Natürlich auf eBay stellen!

Versand exorbitant

Bei dem Versuch, meine Karte richtig zuzuordnen, tauchten schon die ersten Schwierigkeiten auf. Keine Rubrik wollte so recht passen. Da war mir bereits klar, dass ich keinen Reibach damit machen würde. Als ich dann die Versandkosten berechnete, musste ich schlucken. Aufgrund der Übergröße konnte ich die Karte nur als Sperrgut verschicken. Darum betrugen die Versandkosten knapp 40 Euro. Kein attraktives Verkaufsargument. Außerdem hatte ich dummerweise bei meinem Angebot die Versandkosten zu niedrig angesetzt.

Der gute Mann aus Moers

Es fand sich aber doch ein Mensch, der sich für die Karte interessierte und sie für sensationelle 1 Euro erstand. Mein einziger Trost: Der gute Mann aus Moers wusste zu schätzen, dass er ein Superschnäppchen gemacht hatte (trotz Versandkosten) und freute sich mächtig darauf. Also nichts wie eingepackt und zur Post. Ziemlich viel Aufwand, um ein Verlustgeschäft zu machen. Aber ich war froh, dass ich einen dankbaren Abnehmer gefunden hatte. Dieser allerdings meldete sich nach einigen Tagen, um zu fragen, wann ich denn die Karte losgeschickt hätte, da sie noch nicht angekommen sei. Wir machten beide den Check: Laut Sendungsverfolgung hing die Rolle seit ein paar Tagen in Dorsten fest.

Zur Leitcodierung

Tags darauf stand eine große Rolle vor meiner Wohnungstür: Meine Fische hatten zu mir zurückgefunden! Über das Adresslabel war ein Aufkleber mit der Beschriftung „Zur Leitcodierung“ geklebt. Ich versuchte nachzuvollziehen, warum das Paket zu mir zurückgekommen war. An einer falschen Adresse lag es nicht. Dies bestätigte mir mein Käufer. Nun wollte ich aber nicht die Rolle erneut losschicken und dafür wieder knapp 40 Euro bezahlen. Darum versuchte ich, den DHL Kundenservice telefonisch zu erreichen. Leider kam nicht einmal ein Freizeichen. Also beschwerte ich mich per Online-Formular bei DHL und bat um eine Erstattung der Kosten. Dies erforderte die Eingabe einer Latte von Daten: Absender- und Empfängeradresse, Sendungsnummer, Datum des Versands etc. Daraufhin erhielt ich eine E-Mail mit kopierten Versatzstücken, in der ich nach der (bereits angegebenen) Sendungsnummer gefragt wurde.

Odyssee mit Posthorn

Direkt antworten konnte ich auf die DHL-Mail leider nicht. Hierzu musste ich wieder die DHL-Seite aufrufen und alle Daten erneut eingeben. Wieder bekam ich eine Antwort, die nichts mit meinem Problem zu tun hatte. Auch der nächste und übernächste Versuch (inkl. kompletter Dateneingabe) schlugen fehl. Daraufhin probierte ich es noch einmal per Telefon. Und oh, Wunder! Diesmal kam ein Freizeichen und es meldete sich tatsächlich jemand! Dieser Jemand war sogar hilfsbereit. Ich sollte eine Paketmarke umsonst bekommen und ein Teil des Restbetrages sollte mir überwiesen werden. Damit blieb ich zwar immer noch auf 10 Euro sitzen, aber besser als nichts. Also schickte ich die Karte wieder los. Netterweise erklärte der gute Mann aus Moers sich bereit, mir einen Großteil meiner Kosten zu überweisen. Dies tat er dann auch, nachdem die Karte endlich wohlbehalten bei ihm angekommen war. Dennoch habe ich alles in allem ca. 2 Tage investiert, um die Karte bei eBay einzustellen, zweimal zu verschicken und abwechselnd mit DHL und dem Empfänger zu korrespondieren. Also 200 Euro und 2 Tagessätze verschenkt, 1 Euro gewonnen. Juchhe!

 

 

Hirnwürmer

24. Januar 2022

Als ich das erste Mal von unserer Mutante Omikron gehört habe, dachte ich mir: Das heißt doch Omnichron! Zum Glück habe ich mein Gegenüber nicht verbessert. Das wäre hochnotpeinlich gewesen. Stattdessen habe ich mich gefragt, wie ich darauf komme, konnte aber zunächst keine Antwort darauf finden.

Freizeit im Praktikum

Vor kurzem fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Bei meinem ersten Praktikum in einer Werbeagentur war ich chronisch unterbeschäftigt. Um mir die Zeit zu vertreiben, fing ich an, Postkarten zu basteln und diese an meine Freunde zu verschicken. Hierfür verwendete ich ein sogenanntes Omnichromier-Gerät. Da es so etwas meines Wissens gar nicht mehr gibt, erkläre ich das Prinzip: Es wird ein Motiv zusammen mit einer farbigen Folie hineingeschoben. Heraus kommt ein Bild, bei dem die dunklen Anteile in der jeweiligen Folienfarbe sind. Das sah wirklich schön aus und meine Freunde fanden das auch. Aber meine Zeit wäre wohl anderweitig besser investiert gewesen. Wer schon einmal ein Praktikum gemacht hat (bei mir waren es 5), hat vielleicht ähnliches erlebt. Wobei es auch andere Praktika gab, bei denen ich sehr gefordert war. Zum Glück!

Hartnäckige Verhörer

Es ist schon lustig, wie sich manche Fehler ins Hirn hineinwurmen. So dachte ich zum Beispiel jahrzehntelang, dass die Bauernregel „Abendrot Schönwetterbrot“ lautet. Ich fand das immer sehr eigenartig: Was bitte sollte denn ein „Schönwetterbrot“ sein? Heute weiß ich es besser und kann herzlich darüber lachen. Habt ihr auch so einen Verhörer, der sich hartnäckig gehalten hat?

Liebe Ungeimpfte!

8. Dezember 2021

Ihr seid immer noch ganz schön viele. Von daher könnt ihr nicht alle Exzentriker oder Extremisten sein. Sondern zu großen Teilen ganz „normale“ Menschen, mit denen man ganz normal reden kann. Was zugegebenermaßen schwerfällt, weil wir Geimpften langsam etwas ungeduldig werden. Wir haben so darauf gehofft, dass diese Pandemie jetzt endlich vorbei ist. Doch wir stecken immer noch mittendrin. Das ist nicht alleine eure Schuld. Die Politik hat auf vielen Ebenen versagt. Aber wir hätten bessere Chancen gehabt, wenn ihr euch hättet impfen lassen.

Ihr werft uns gerne vor, dass wir bei unserer Impfung in erster Linie an uns selbst gedacht haben. Weil wir nicht krank werden oder uns einschränken wollten. Das ist richtig. Aber in erster Linie bedeutet eben nicht nur. Wir haben auch an unsere Partner und Kinder gedacht, die wir nicht anstecken wollen. Und an unsere Eltern, die aufgrund ihres Alters besonders gefährdet sind. Wir haben an Freunde und Bekannte gedacht, die vielleicht nicht so widerstandsfähig sind wie wir selbst. Wenn wir krank werden, gefährden wir alle Menschen, die uns lieb und wichtig sind.

Unsere Impfung kann dieses Risiko nicht eliminieren. Aber sie kann es deutlich reduzieren. Wenn wir diese Möglichkeit haben, dann sollten wir sie nutzen. Je weniger sich infizieren, desto weniger werden krank oder sterben. Hinter der Zahl, die wir jeden Tag in den Nachrichten hören oder lesen, stecken Menschen, denen ihre restliche Lebenszeit genommen wurde. Menschen, die von vielen geliebt wurden und jetzt schmerzlich vermisst werden.

Ihr könnt euch nicht darauf verlassen, dass es euch schon nicht treffen wird. Das haben vermutlich die meisten gedacht, die es dann doch erwischt hat. Und selbst, wenn eure Infektion glimpflich ausgeht, setzt ihr andere bewusst einer Gefahr aus. In der jetzigen Situation auf seine eigene Entscheidungsfreiheit zu pochen, ist also streng genommen eine unterlassene Hilfeleistung.

Aber darauf will ich nicht zu sehr herumreiten. Denn ihr bekommt gerade an allen Ecken und Enden zu spüren, dass der Großteil der Menschen nicht so gut auf euch zu sprechen ist. Wird man zu sehr bedrängt, entwickelt man irgendwann eine Trotzreaktion, aus der man nur schwer wieder rauskommt. Ich kenne das auch von mir selbst. Da hilft es manchmal, einfach einen Moment innezuhalten und sich zu überlegen, warum man etwas kategorisch ablehnt. Oft wird man feststellen, dass es die falschen Gründe sind. Doch je mehr man sich verrannt hat, desto schwieriger wird es, über seinen Schatten zu springen.

Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn ihr jetzt eure Meinung ändert und euch doch noch impfen lasst. Ganz im Gegenteil: Es ist ein Zeichen von Stärke.

Eure Sandra

PS an die bereits doppelt Geimpften: Boostern nicht vergessen!

 

Wer spricht denn da?

14. Oktober 2021

Jeder kennt ihn. Jedem ist er unangenehm. Die Rede ist vom Hosentaschenanruf. Erst neulich ist es mir wieder passiert: Ich gehe spazieren und wundere mich, woher das Gebrabbel kommt, wo doch weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist. Mein Handy verrät mir, dass ich eine Nummer gewählt habe, die nicht vergeben ist. Dann kann ich L. getrost aus meinen Kontakten löschen. Gut zu wissen!

Etwas beunruhigt bin ich, als mich wenige Minuten später meine Freundin N. „zurückruft“. Verdammt, ich habe doch nicht … Doch, habe ich! Das Gespräch beende ich etwas hastig, weil mir schwant, dass ich noch mehr Leute kontaktiert haben könnte. Es stellt sich heraus, dass ich außerdem A. mit diversen Anrufen gestalkt habe.

Was habe ich die letzte Viertelstunde nur gemacht? Was habe ich auf den Mailboxen hinterlassen? Habe ich Selbstgespräche geführt oder mich sonst in irgendeiner Weise kompromittiert?

Die Ängste sind nicht ganz unbegründet. Schließlich wurde ich vor vielen Jahren einmal von R. angerufen. Aus einem Pornokino. Was in diesem konkreten Fall nur belustigend und nicht verfänglich war. Hätte aber auch ganz anders sein können.

Ich bin mir sicher, dass ich zur Zeit meiner Hosentaschenanrufe nicht im Pornokino war. Wie auch immer geartete Peinlichkeiten sind sicher im Geraschel untergegangen. Hoffentlich …

PS: Auf dem Foto seht ihr übrigens ein Handtaschenfoto.