Konzeption & Text. Sandra Cremer



Sandras kleine Texterschule Teil 8

24. Januar 2020

Handgeschriebene Liste mit durchgestrichenen Füllwörtern– Was steht auf deiner Shitlist? –

Jeder hat seine Füll- und Wiederholungswörter. Vor allem bei Texten, die vom Stil her eher locker sind. Bei mir sind das zum Beispiel „aber“, „auch“ oder „nicht“. Um diese zu vermeiden, habe ich mir eine Shitlist angelegt. Auf dieser sind all die bösen Worte, die ich so gerne verwende. Versucht doch mal eure üblichen Verdächtigen herauszufinden. Und dann geht mit der Suchfunktion über einen längeren Text von euch. Das Ergebnis kann ziemlich ernüchternd sein. Vor allem, wenn man einen seiner weniger konzentrierten Tage hat. Ist aber (oops!) nicht (Verzeihung!) so schlimm: Oft kann man umformulieren oder sie problemlos durch Synonyme ersetzen. Im Idealfall kann man die Wörter einfach löschen, ohne dass etwas fehlt. Manchmal muss man ein bisschen mehr Zeit aufwenden. Aber (zefix!) für den Text ist das eine super Qualitätskontrolle! Irgendwann hat man seine persönliche Shitlist im Kopf und arbeitet sie beim Korrigieren automatisch ab.

 

Sandras kleine Texterschule Teil 7

11. Dezember 2019

Stop-Schild– Geht nicht, gibt’s schon! –

In einem meiner Artikel habe ich bereits das Thema „Happy Problems“ behandelt. Gemeint ist der Zustand, wenn so viele Anfragen reinkommen, dass man latent in Panik gerät. Meist löst sich dieser dann doch in Wohlgefallen auf. Mit Augen zu und durch – und etwas Glück. Manchmal muss man aber einsehen, dass die eigenen Kapazitäten am Limit sind. Und dann muss man den Mut haben, „Stopp!“ zu sagen.

Für jeden Freelancer ein totaler Horror. Vor seinem geistigen Auge sieht man verprellte Neu- und angesäuerte Stammkunden. Ja, das kann passieren. Noch viel schlimmer aber ist es, wenn man wegen der zu großen Arbeitslast einen schlechten Job abliefert. Damit schadet man dem Auftraggeber und sich selbst noch mehr. Wichtig ist jedoch, dass man nicht einfach nur absagt, sondern Alternativen anbietet. Darum mein Tipp an euch: Sucht euch zwei bis drei Kollegen, auf die ihr euch 100 % verlassen könnt und die im Notfall für euch einspringen können. So lasst ihr den Kunden mit seinem Problem nicht alleine und ihr zeigt, dass er euch wichtig ist.

Einen Stammkunden werdet ihr nicht verlieren, nur weil einmal ein Kollege einen Auftrag übernimmt. Ein Neukunde ist mit ziemlicher Sicherheit weg. Aber den hättet ihr mit einem halbherzig erledigten Job auch nicht gehalten. Außerdem solltet ihr immer daran denken, dass ihr auf diese Art selbst zu Aufträgen (und Neukunden) kommen könnt. Irgendwann ist es bei euch wieder ruhiger und bei einem der Kollegen brennt die Hütte …

Sandras kleine Texterschule Teil 6

9. Mai 2019

Neukunde? Nein, danke!

Es kommt nicht so oft vor, aber heute habe ich einen Neukunden abgelehnt. Nicht weil er fragwürdige Produkte oder Services anbietet (auch das gab es schon), sondern weil er meine Geduld überstrapaziert hat. Vor zwei Jahren hatte er erstmals wegen eines Jobs bei mir angefragt. Heute ging es immer noch um denselben. Wie das? Ich hatte ihm auf den Erstkontakt hin E-Mails geschickt und Sprachnachrichten hinterlassen. Es passierte wochenlang nichts. Dann eine Antwort, dass ich mich doch wieder melden solle. Ich tat es, aber wieder erfolglos. Es gingen ein paar Monate ins Land, dann kontaktierte er mich erneut und das Spielchen ging wieder von vorne los … Ich habe mich gefragt: Wie soll das etwas werden, wenn es schon so zäh ist, bevor der Job überhaupt angefangen hat? Und genau das habe ich ihm heute mitgeteilt. Mit der Empfehlung, sich doch jemanden zu suchen, der in puncto Zuverlässigkeit etwas entspannter ist …

Fazit: Meine lieben Textkollegen und solche, die es werden wollen: Ihr müsst euch nicht alles gefallen lassen. Und wenn ihr bei einem Job schon im Vorfeld ein schlechtes Gefühl habt, dann lehnt ihn ab. Sonst sind Ärger und Frust vorprogrammiert.

Sandras kleine Texterschule Teil 5

18. April 2019

– Nur nicht hetzen lassen! –

Viele Jahre habe ich mir unnötig Stress gemacht. Weil ich mir selbst knappe Deadlines gesetzt habe. Wahrscheinlich um meinen Kunden zu beweisen, dass ich superschnell und höchst motiviert bin. Schön dumm. Fragt man nach, bis wann die Texte benötigt werden, wird meist ein viel späterer Zeitpunkt genannt. Beim Nachhaken sollte man sich allerdings nicht mit einem „so schnell wie möglich“ oder „besser gestern als heute“ abspeisen lassen. Denn die Meinungen, was das in Daten oder Zahlen bedeutet, gehen stark auseinander. Bei asap (as soon as possible) reicht die Spanne von sofort bis in drei Wochen. Also: Erst einmal konkret nachfragen, dann überlegen, bis wann man schnellstens fertig sein kann und darauf einen Puffer draufschlagen. Man weiß ja nie, was einem vielleicht dazwischen funkt. Außerdem tut es einem Text gut, wenn er einen Tag liegt und man dann mit frischem Auge noch einmal drübergeht. Der selbst vorgeschlagene Termin ist immer noch früher, als der Kunde dachte. Er freut sich und du freust dich auch, weil du dich nicht stressen musst. Denn viel schlimmer als mit klarer Ansage etwas länger zu brauchen ist es, einen Termin nicht zu halten oder wegen Zeitnot einen schlechten Job abzuliefern.

(Bild von Hans Braxmeier)

Sandras kleine Texterschule Teil 4

13. Juni 2018

– Prokrastination erlaubt –

Liest man Artikel zum Thema Prokrastination, könnte man meinen, sie wäre ein Produktivitätskiller. Stimmt aber nicht. Wenn du an einem Text sitzt und gerade eine fiese Schreibblockade hast, hilft es dir rein gar nichts, auf den Bildschirm zu starren und dir das Hirn zu zermartern. Steh auf, putz das Bad, lies einen Artikel, ruf jemand an oder sortiere deine Socken. Das kostet zwar Zeit, doch es entspannt dich und bringt dich auf neue Gedanken. Wenn du dann wieder am Schreibtisch sitzt, dann flutscht es. Falls nicht, fällt dir sicher noch etwas ein, das du gerade ganz dringend tun wolltest …

Sandras kleine Texterschule Teil 3

6. Juni 2018

– Money money money –

Dieser Tipp gilt wieder für alle Freelancer: Traut euch, euer Geld einzutreiben! Wenn ein Kunde nicht rechtzeitig zahlt, solltet ihr ihn zeitnah (freundlich) darauf aufmerksam machen. Seitens des Kunden steckt meist kein böser Wille dahinter. Er wird euch eine nette Erinnerung also nicht krumm nehmen.

Da gibt es diejenigen, die einfach das Zahlungsziel nicht auf dem Schirm hatten. Andere wiederum haben die Rechnung nicht gesehen. Und mir ist es sogar schon passiert, dass der Kunde schon längst überwiesen hatte und das Geld auf einem „Verwahrungskonto“ gelandet ist. Will heißen, der Kunde hatte meine Bankverbindung nicht richtig angegeben und die Bank hat das Geld einfach einbehalten. Natürlich ohne jemanden davon in Kenntnis zu setzen. Was in meinen Augen fast schon kriminell ist. Aber wer legt sich schon mit einer Bank an, noch dazu wenn es nicht die eigene ist? Dann gibt es noch (zum Glück selten) die Leute, die einfach nicht zahlen wollen. Meist weil sie selber gerade klamm sind. Und wer am wenigsten Druck macht, bekommt sein Geld natürlich als letzter …

So oder so: Es steht euch zu, für eure Leistung fristgerecht bezahlt zu werden. Zumal eure eigene Arbeit meist schon seit einiger Zeit abgeschlossen ist, bevor ihr überhaupt die Rechnung stellen könnt.

 

Sandras kleine Texterschule Teil 2

9. Mai 2018

Meine erste Headline

An den Rechner und los geht‘s? Lieber nicht. Denn wenn du gleich die in die Tasten haust, wird nichts Originelles dabei herauskommen. Sondern nur eine fade Buchstabenreihe. Darum nimm dir erst einmal Stift und Papier und denk nach …

Um welches Thema geht es? Was sind die wichtigsten Begriffe? Welche Synonyme, Antonyme, Wortkombinationen, Redewendungen, Sprichwörter oder Zitate fallen dir dazu ein? Schreib alles auf und fang an, damit zu spielen. Ein Begriff klingt so ähnlich wie ein Wort in einem bekannten Filmtitel? Dann probier aus, ob es witzig klingt, wenn du ihn dort einsetzt. Oder eine Redewendung wird in diesem Zusammenhang doppeldeutig? Aufschreiben! Einfach alles, selbst wenn dir deine Idee superpeinlich erscheint. Erstens bringt sie dich vielleicht auf eine bessere und zweitens hast du den Kalauer sonst die ganze Zeit im Kopf.

Wenn die erste schöne Head steht, dann teste, ob sich das Prinzip auch auf die weiteren anwenden lässt. Hast du also in der ersten Line eine Redewendung „umgedeutet“, dann versuche es mit der zweiten genauso. Lässt sich das Spiel nicht fortsetzen, musst du leider auf deine Kreation verzichten (behalte sie aber im Hinterkopf, vielleicht kannst du sie ja anderweitig verwenden). Denn wenn die Heads kunterbunt durcheinander gewürfelt sind, wird es nicht rund. Auch unterschiedliche Länge oder Tonalität sind Headlineführungskiller.

Wenn du mit deinem Ergebnis glücklich bist, dann starte noch einmal von vorne. Denn du darfst nicht davon ausgehen, dass dein Kunde oder der Kunde deines Kunden die gleichen Vorlieben hat wie du. Also solltest du mindestens eine (gute) Alternative anbieten. Viel Erfolg :-)

 

Sandras kleine Texterschule Teil 1

25. April 2018

Nicht ohne meine Freigabe!

Dieser Tipp gilt nicht nur für angehende Texter, sondern für alle frischen Freien: Lasst euch immer euer Angebot freigeben. Es spielt keine Rolle, wie nett euch der Kunde erscheint. Oder wie dringend er den Text (oder die Grafik oder sonstiges) braucht, aber den Chef nicht erwischt, der aber gaaaanz sicher seine Freigabe erteilt.

Ich habe schon die leidvolle Erfahrung gemacht, dass man sich auf so etwas nicht verlassen darf. Damals sollte ich ein Konzept für ein neues TV-Format entwickeln. Die drei Damen, die mich angefragt hatten, waren sehr freundlich und sympathisch. Nun musste dieses Konzept unbedingt am nächsten Montag vorliegen. Ihr Chef war aber nicht da. Die Damen beknieten mich, dass ich doch bitte, bitte, bitte schon ohne die Freigabe loslege. Ich ließ mich breitschlagen und arbeitete das Wochenende durch und schickte das Konzept Sonntagabend zum Kunden.

Am Montag teilte mir der Chef mit, dass er ja das Angebot gar nicht freigeben hätte und auch nicht plane, dies zu tun. Tja, das ganze Wochenende für nichts und wieder nichts in die Tonne getreten. Die drei Damen stellten sich ab diesem Zeitpunkt tot. Keine Entschuldigung, kein gar nichts. Na, herzlichen Dank auch! Das Einzige, was ich noch erreichen konnte, war eine unterschriebene Erklärung, dass von meinem Konzept nichts verwendet wird. Was ich ja gar nicht nachprüfen konnte. Aber wenigstens hatte ich noch irgendetwas für meine Ehrenrettung getan.

Dies war das erste und das letzte Mal, dass ich (außer bei langjährigen, zuverlässigen Stammkunden) ohne eine Freigabe losgelegt habe. Seid so schlau und spart euch diese Erfahrung von Haus aus.